Sonu Niigam: „Dieses Land und sein Denkprozess können nicht über Nacht verändert werden.“
By Kaveta A Chhibber
Der singende Superstar Sonu Niigam war in Chennai, um einen Song mit dem Maestro der Musik A.R. Rahman aufzunehmen, als ihn ein Freund aus London anrief und ihn wegen des ganzen Chaos, das in Mumbai durch die Terrorangriffe ausgelöst wurde, fragte ob es ihm gut ginge. In einem exklusiven, äußerst kritischen, sehr offenen und zum Nachdenken anregenden Interview, welches in zwei Sitzungen mit Kaveta Chhibber geführt wurde, teilt Sonu Niigam seine Gedanken über die Angriffe, seine Enttäuschung über die Art und Weise, wie die Dinge in Indien funktionieren mit und bietet Lösungen, von denen er findet, dass sie eine Veränderung bringen könnten.
Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das Telefonat erhielten?
Ich rief meine Familie an und meine Mutter erzählte mir alles darüber, was in Bombay passierte und wie alles verrückt spielte. Zu der Zeit, als ich meinen letzten Song mit Rahman beendete, waren es bereits 34 Stunden, in denen ich nicht geschlafen hatte und ich konnte auch in den nächsten 7-8 Stunden nicht schlafen. Also habe ich wirklich erst nach 40 Stunden geschlafen. Es war so deprimierend, so schlimm und ich war so verzweifelt. Es ärgerte nicht nur mich, sondern jeden so sehr; es war völlig unangebracht, ungerechtfertigt. Es ist wirklich unrecht, Leute so zu töten. Mir gingen zu dieser Zeit so viele Fragen durch den Kopf.
Sie haben seit so vielen Jahren da gewohnt. Haben Sie sich je unsicher gefühlt, betrachtet man das unkontrollierte Wachstum, das Bombay erlebt hat?
Ich denke, es geht nicht darum, sich in Bombay sicher zu fühlen. Es geht darum, sich irgendwo und überall sicher zu fühlen. Ich denke, als Menschen wollen wir nicht so viel kontrolliert werden, ständig Sicherheit durchexerzieren; wir wollen nicht so viel hinterfragt werden und wir alle wollen ein behagliches Leben führen, aber wegen einiger Leuten, die in ihren Ansichten Fanatiker und Fundamentalisten sind, muss der Rest der Welt diese unnötige Übung durchmachen...mit soviel Sicherheit, die in Hotels, Flughäfen und unseren Häusern eingebaut ist. Es ist sehr traurig, dass die Menschen nicht auf friedliche Weise mit anderen Menschen zusammen leben können. Ich möchte, dass die ganze Welt ein offener Platz ist. Es ist bedauerlich, dass uns diese Art der Ungezwungenheit im Leben und beim Reisen nicht erlaubt ist. Vor dem 11. September war auch Amerika so ein ungezwungener Ort zum Reisen.
Die Pakistaner finden, dass das ganze Land wegen der Sünden von einigen Wenigen geächtet wird.
Ich denke teilweise, dass ich klar verstehen kann, wovon die Pakistaner ausgehen. Aber sie müssen auch verstehen, wovon die Inder ausgehen. Ich verstehe, dass ein normaler Pakistaner und 95 Prozent aller Pakistaner in der Welt nicht kämpfen wollen. Indien und Pakistan waren vorher ein Land. Sie lieben unsere Künstler, wir lieben ihre Künstler, obwohl es unglücklicherweise uns, den Künstlern aus Indien, nicht gestattet ist, in Pakistan aufzutreten und wenn wir es tun, dann haben wir keine Sicherheit. Wie Sie sehr gut wissen, wurde ich in Karachi bombardiert und wir sind gerade noch entkommen. Wir hätten alle unser Leben verlieren können – meine ganze Familie – so haben wir eine Bombenexplosion und Terrorismus in seiner engsten Gestalt erlebt – und es überlebt.
Ich verstehe, wenn zwei Länder beginnen sich gegenseitig verantwortlich zu machen, die Menschen der beiden Länder beginnen entweder in die Offensive oder in die Defensive einzusteigen, abhängig von den Beschwerden und Vorwürfen. Ich verstehe völlig, das die Gesamtheit der Pakistaner diese bedrohliche Form des Terrorismus nicht wollen, die dieser heutzutage angenommen hat, weil auch sie leiden. Schauen Sie sich an, was mit Benazir Bhutto
(edit: ehemalige Premierministerin von Pakistan, 2007 - zwei Wochen vor der Parlamentswahl durch Attentat getötet) geschah, schauen Sie auf den Marriott Vorfall
(edit : September 2008 – Bombenanschlag auf Marriotthotel in Islamabad). Niemand möchte sich von seinen Lieben trennen.
Ich würde es verstehen, ich würde nicht den gewöhnlichen Pakistaner dafür verantwortlich machen. Ich würde genau genommen nicht mal die pakistanische Regierung völlig dafür verantwortlich machen, weil die auch nur Marionetten in den Händen der Fundamentalisten sind. Ich verstehe ebenso, dass wenn ich der pakistanische Präsident wäre, dann wäre auch ich selbst in einem Teufelskreis gefangen. Es ist nicht einfach ein Land zu leiten, das versucht zu wachsen. Pakistan hat Menschen mit großem Verstand, tolle Sportler und Musiker – großartige Menschen, aber zur gleichen Zeit ist das Land auch tief im Islam verwurzelt. Natürlich haben wir auch in Indien viele moslemische Fanatiker und viele Hindufanatiker und wir haben auch viele christliche Fanatiker. Ich bin sicher dasselbe ist in Pakistan der Fall. Es kann in jeder Religion Fanatiker geben. Ein Fanatiker zu sein ist vermutlich keine schlechte Sache, aber anderen gegenüber intolerant zu sein, ist falsch. Es ist erlaubt, wegen der Religion fanatisch zu sein und sie zu lieben . Ich habe nichts gegen Menschen, die völlig auf Jesus, Bhagwan, Ishwar, Allah oder die Hare-Krishna-Bewegung stehen, aber ein Hindu zu sein bedeutet nicht, das jeder Christ mein Feind ist, oder ein Moslem zu sein bedeutet nicht, dass man andere töten sollte, weil man den Islam überall auf der Welt haben möchte. Das ist der falsche Weg, das Leben zu betrachten. Mit dieser Methode tötet man so viele Leben, man schafft außerdem so viel Elend, man vergiftet die Denkweise der Menschen und versteht nicht, dass das nicht das ist, was Allah, Bhagwan, Ishwar von ihnen erwartet. Kein Gott, keine Religion würde wollen, das ihre Anhänger auf Gewalt oder Intoleranz zurückgreifen. Wir als Volk müssen jetzt wirklich sensibel, ehrlich, tolerant und unvoreingenommen werden. Wir müssen uns öffnen, wir müssen anfangen, Namen zu nennen. Wir müssen sagen, das sind die Hindufanatiker, das sind die muslimischen Fanatiker und die müssen wir loswerden. Das sind die Feinde des Friedens.
Die Menschen wollen Erfolg haben, wollen ihren Kindern eine gute Erziehung geben, wollen lange und schöpferische Leben führen. Wir müssen nun diese Hoffnung in der Welt verbreiten und vielleicht muss das von beiden Seiten aus getan werden und nicht nur von Indien. Wir haben pakistanische Schauspieler geliebt und Sänger, die in Indien gesungen haben. Tatsächlich ist Indien ein wunderbares Land, wo wir einen Menschen nicht wegen seiner Religion lieben. Deshalb lieben wir Shah Rukh Khan, Salman Khan, wir lieben Aamir Khan und Imran Khan und Mohammed Rafi
(edit : bekannter indischer Playbacksänger geb.1924 – gest. 1980) ist mein Gott. Er ist kein Moslem oder Hindu. Deshalb gehören wir zu solch einem wunderbaren Land. Und wir haben das Recht zu sagen, dass wir bewiesen haben, das wir viel aufgeschlossener sind als der Rest der Golfregion oder die Prinzipien Pakistans, und das muss anerkannt werden und das kann nicht durch dieses Spiel mit der Schuld geschehen – ki tumne aisa nahin kiya tumne waisa nahin kiya (Mach dies nicht, mach das nicht). Wenn wir versuchen Positives herbeizuführen, sollte uns dieses auch zurück gegeben werden. Und das ist wahrscheinlich das, was der einfache indische Mann hat sagen müssen. Allerdings gibt es immer ein oder zwei Argumente, mit denen die Hindus und Moslems ein Problem haben. Wir müssen verstehen, dass wir zwei verschiedene Religionen sind, die schon seit Jahrhunderten untereinander zerstritten sind. Moslems haben Probleme mit Hindus gehabt, mit Juden, mit Christen, - wir verstehen das – es handelt sich um Weltanschauungen, aber jetzt sind wir gebildet und ich hoffe, dass wir mehr gesunden Menschenverstand haben, als es die Leute in der Vergangenheit hatten, um Platz zu schaffen, sich am Tisch gegenüber zu sitzen und die Probleme, die es gibt, zu diskutieren, gewaltfreie Lösungen zu finden und sich zu Menschen zu entwickeln, die friedlich und in Harmonie bis ans Ende ihrer Tage leben.
Diesmal gab es in der Folge viel Zorn auf das System und während viele hoffnungsvoll sind, dass es sich verändert, sagen die Zyniker, dass das Leben in Indien keine Wertigkeit hat. Sie sagen außerdem, dass die Aufmerksamkeit gesammelt wurde, weil es diesmal die Oberschicht und ausländische Bürger getroffen hat und bald wird es zur Tagesordnung gehören.
Auf jeden Fall wird das Leben in Indien, besonders in Bombay; zur Normalität zurückkehren und das ist nach etwas sehr ereignisreichem am Gateway of India geschehen, wo sich tausende von Leuten versammelten, Kerzen anzündeten und marschierten. Sie erhoben ihre Stimmen. Offen gesagt glaube ich nicht an solche Märsche, weil es folgendermaßen abläuft, wenn man so viele Menschen um sich herum sieht, fühlt man sich sehr glücklich, man fühlt, das der Zorn ein Ventil gefunden hat und anschließend, wenn man zurück kommt, meint man, dass alles erledigt ist. Deshalb werden 99 Prozent der Leute, die bei der Kundgebung anwesend waren, jetzt glauben, ihre Pflicht ist getan. Sie haben an dem Marsch teilgenommen, sie haben Kerzen angezündet, sie haben Parolen gerufen, T-Shirts getragen und für die T-Shirts 100 bis 200 Rupien bezahlt, Geld, welches für die Opfer vorgesehen ist. Ich weiß nicht, ob es dahin gelangt ist oder nicht, niemand will das wissen, niemand will sich danach erkundigen. Ihr Job ist erledigt. Deshalb bin ich nicht bei der Kundgebung gewesen, weil ich nicht wollte, dass meine Wut verloren geht oder auf diese Art geschwächt wird. Meine Wut ist keine gewalttätige Wut, sie geht gegen unser System. Es gibt da einen Spruch; jab apna hi sikka khota ho toh kisi aur par kyon ilzam dalen (Wenn deine eigene Münze eine Fälschung ist, warum dann die Schuld jemand anderen geben.) Wir Inder müssen eine Menge staatsbürgerlicher Lektionen lernen – niemand verdient diese Art Massaker, diese Art Qual. Aber ich würde sagen, wir haben das selbst herbeigerufen. Schauen Sie sich an, wie wir unsere Leben leben. Lassen Sie nur für zwei Minuten eine Ampel ausfallen und sehen Sie sich dann zwei Minuten später den Zustand der indischen Straßen an. Der ganze Verkehr wird rammelvoll verstopft sein. Es wird einen Bus oben auf einem Bus geben, eine Auto gegen ein Auto, Motorräder gegen Autorickshaws...die Menschen drehen durch.
Es gibt kein staatsbürgerliches Empfinden, also wenn wir die Menschen unseres Landes nicht lieben können, wie können wir dann von anderen erwarten, dass sie uns lieben? Dieses Gefühl der Straße ist symbolisch für das Pflichtgefühl des Landes, das Gefühl für Toleranz und das ist außerdem ein Grund, warum die Politiker eine Chance haben, so viel Geld anzuhäufen. Viele von ihnen sind infolgedessen tausende Crores reicher. Als System haben wir versagt. Wir mögen ein reiches Land sein, wir mögen jemand sein, den die Pakistaner beneiden – Schaut nur, in Indien läuft es so gut – die Filmindustrie ist so reich – wir haben einige der reichsten Menschen, die in unserem Land leben, aber als System haben wir versagt und wir müssen beginnen, diese Misstände von der niedrigsten Stufe an zu bereinigen. Wir beginnen mit der Bestechung der Leute ab der Höhe von 20 Rupien über Lakhs und Crores, welche in die Taschen der Minister gehen. Wir müssen eine Umgebung schaffen, die für die Beamten und für die Tagelöhnern sympathisch ist. Wir müssen ihre Bezüge so erhöhen, dass sie nicht dazu aufgelegt sind, Bestechungsgeld von uns zu nehmen. Dasselbe ist das Problem mit der Polizei. In Anbetracht von Indiens quälendem Klima, ertragen sie den ganzen Tag die Sonne, die Umweltverschmutzung, nass vom Schweiß; und wenn es gießt, durchnässt vom Regen. Sie stehen dort unter den ungünstigsten Verhältnissen, tun ihre Pflicht und was bekommen sie ausbezahlt? Ein paar tausend Rupien. Mit ein paar Tausend spielt sich gar nichts ab. Wir müssen zuerst ihre Bedingungen verbessern. Wir müssen die Menge der Vergütung, welche die Polizisten, die Kommandotruppen, die Armeeangehörigen erhalten, zumindest verdoppeln. Es ist ihr Großmut – die der Armeeangehörigen, das sie so viele Opfer bringen, ohne das man ihnen dankbar ist. Sie sind an der Grenze, in einer feindlichen Umgebung, ohne ihre Frauen und ihre Familien, ohne jegliche Unterhaltung, leben in Einsamkeit und Abgeschiedenheit. Sie haben keine Ahnung, wie lange sie am Leben bleiben, wenn ein Krieg ausbricht. Deshalb müssen wir damit beginnen, diese Dinge zu würdigen.
Ich wohne auf der Nordwestseite von Bombay und bezahle hohe Steuern und die Menschen, die in Süd-Bombay wohnen, bezahlen hohe Steuern. Aber die Menschen in Süd-Bombay wohnen in einer viel saubereren Umgebung als die Menschen in Nordwest Bombay. Wenn ich meine Steuern bezahle, warum bekomme ich nicht das gleiche Recht, warum bekomme ich nicht das gleiche Niveau städtischer Annehmlichkeiten? Es gibt so viele kleine Dinge und bis sie nicht die Dinge von der kleinsten Stufe an in Ordnung gebracht sind, können wir keine gute Sicherheit, keine gute Regierung oder gute Verwaltung auf einem höherem Niveau erwarten.
Man kann nicht eines schönen Tages einfach sagen, okay, wir wollen Sicherheit und sofort muss alles korrigiert werden. Nein, auf diese Weise funktioniert das nicht. Man muss auf der kleinsten Stufe beginnen und dann entsprechend der Rangfolge weitermachen. Wenn die Menschen auf der niedrigsten Stufe beginnen, an ihrer Arbeit Freude zu haben und gut bezahlt werden, dann werden sie aufhören, Bestechungsgeld zu nehmen und dann werden die Leute an der Spitze die Gelegenheit bekommen, dasselbe zu tun. Man kann nicht nur den Politikern Vorwürfe machen. Die gesamte Struktur muss geändert werden.
Was denken Sie über die jüngere Generation der Politiker. Die einzigen Namen, die ich wiederholt als die von zwei ehrlichen Politikern hörte, waren die von Milind Deora und Priya Dutt Roncon. Und die meisten Leute sagen natürlich zu mir – wir brauchen in Indien einen Obama.
Was wissen wir denn? Was hat er (Obama) bewiesen? Er ist gerade erst gekommen- lassen wir uns wegen der Leute nicht zu Emotionen hinreißen. Wir wollen nicht nur Namen nennen – wir wollen sie erst auf die Probe stellen.
Sie (Milind und Priya) sind ziemlich einflussreiche Politiker und sie haben einen gute Unterstützung durch ihre eigene Partei und ihre eigene Regierung, aber ich weiß überhaupt nicht, was sie in der Vergangenheit geleistet haben. Sie könnten ehrlich sein und ich hoffe, dass sie ehrlich sind, aber wissen wir das ganz sicher? Ich möchte einige Beispiele wissen, bei denen sie ihre Ehrlichkeit unter Beweis gestellt haben. Offen gesagt bin ich mir dessen nicht bewusst und es könnte meine Unwissenheit sein, dass ich nicht im Stande bin die Begeisterung der Leute zu teilen. Ich möchte lieber sagen, ich würde wollen, dass Priya und Milind die Führung übernehmen und ich würde ihnen gern Gleichgesinnte an die Seite stellen, die ihnen helfen, die Arbeit zu erledigen. Was ich schon immer gesagt habe, ist dieses – es sind nicht die Küchenschaben, es sind nicht die Fliegen, es sind nicht die Moskitos, es ist der keechad (Morast), der beseitigt werden muss. In dem man fortwährend den Ministerpräsidenten, oder wen auch immer, ersetzt, kann man nichts verändern. Man muss das System korrigieren. Es ist ein unausgesprochenes Gesetz, dass bestimmte Dinge nicht erledigt werden, sofern man nicht sofort dafür bezahlt. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die größeren Verträge durch den Ministerpräsidenten, oder ganz gleich wen, weiterkommen. Man muss das Umfeld so säubern, dass es keine Küchenschaben, Moskitos und Fliegen mehr gibt. Man muss den Morast von der niedrigsten bis zur höchsten Ebene säubern. Es ist das System, dass ehrlicher und transparenter werden muss.
Wir vertreten den Standpunkt, das alles “selbstverständlich” ist. Anstatt zu kritisieren und zu sagen, was falsch ist, würde ich lieber einige Lösungen anbieten, weil die meisten Leute nur reden und zu Friedensdemonstrationen und Kundgebungen gehen.
Ich habe ein paar Lösungen dafür auf meine eigene, einfache Art. Mit der Hilfe einiger intelligenter Menschen, die gut informiert sind, die ebenso leidenschaftlich sind wie ich es bin, werde ich ein paar Vorschläge dazu machen, wie das System von der Basis beginnend richtig gestellt werden kann.
Zuallererst braucht Indien seine Encounter Spezialisten
(edit : Polizisten, die bei inszenierten Begegnungen Verdächtige beseitigen/töten) zurück, weil keiner mehr Angst vor der indischen Polizei hat. Entweder sind sie(Encounter Spezialisten) tot oder sie wurden gedemütigt und hinausgeworfen. Wir müssen ein Image der Polizei haben, durch das die Terroristen oder die Verbrecher Angst vor gewissen Encounter Spezialisten bekommen, unabhängig davon ob es Daya Nayak oder Pradeep Sharma ist -(beide wurden wegen Bestechungsgeld suspendiert und weil sie Gefolgsleute der Mafia waren). Bedauerlicherweise, unabhängig davon, ob die Behauptungen wahr gewesen sind oder nicht, wie ich von den meisten Experten gehört habe, und ich sage hier wieder, wie ich von den meisten Experten und Insidern „gehört“ habe, wurden sie sie auf der Grundlage von Behauptungen angeklagt, die von den Verbrechern gemacht wurden. Wie unfair ist das?
Man klagt seine Leute an, demütigt und suspendiert diejenigen, die der Schrecken des Polizeiapparats waren; wegen welchen so viele Verbrecher vernichtet wurden, viele von ihnen hörten damit auf, straffällig zu werden. Man demütigt sie, weil ein Krimineller oder ein paar von denen sagten – das ist der Typ, den wir bezahlt haben (Rückversicherungstaktik). Man weiß nie, ob es vielleicht eine durch Rache motivierte Behauptung sein könnte, weil sie erwischt wurden.
Deshalb brauchen wir unbedingt unsere Encounter Spezialisten zurück, damit die Moral der Polizei einen Auftrieb bekommen kann. Sie haben so viele großartige Beamte verloren, einschließlich Karkare
(edit : Chef der Mumbaier Antiterroreinheit, wurde bei den Anschlägen am 26.11.2008 erschossen), ihre Moral ist gebrochen. Sie müssen ihre Encounter Spezialisten zurück bekommen, damit die Polizei von Mumbai ihren Glanz zurückerhält. Anschließend muss man unverzüglich die Löhne der Angehörigen der Armee, der Kommandotruppen und der Leute, die bei der Marine arbeiten, erhöhen, so dass sie sich motiviert fühlen, hart zu arbeiten und sich geliebt und anerkannt fühlen und mehr für das Land tun wollen.
Dann sollten sich auf einer sehr komplexen Ebene eine Gruppe Intellektueller -jinhe buddhi jeevi kehtey hain - namhafte, kenntnisreiche Leute, verbünden und die Verfassung verbessern. Gerade jetzt geschieht es, wir bekommen eine Koalitionsregierung. Wir bekommen nicht die Regierung, die wir wählen wollen. Sie erwähnten Obama. Obama wurde als Obama gewählt, nicht als politische Partei. Hier bei uns wählen wir die ‘BJP’ oder die ‘Kongresspartei’ oder was auch immer, und die wählen dann ihre Führungskraft. Wer wusste, das Manmohan Singh der Premierminister von Indien sein wird? Wir dachten, Sonia Gandhi wird Premierministerin sein. Wer hätte denn daran gedacht, das Deve Gowda Premierminister werden könnte. Manche dieser Leute kamen wie aus dem Nichts. Ob sie gut oder schlecht sind, der Punkt ist, wir haben sie nie gewählt. Also über welche Demokratie sprechen wir? Dann erhält eine Partei nicht die absolute Mehrheit und dann gibt es eine Koalitionsregierung und dann beginnt das Feilschen - Gib meinem Minister dieses Ministerium, gib meinem jenes.
Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Verfassung umgestalten. Nebenbei bemerkt wurde uns nie etwas über einen Paragraphen erzählt, da er sich für die Politiker nachteilig auswirken würde, laut welchem man seinen Namen registrieren lassen kann und man lässt kennzeichnen, dass man seine Stimme nicht abgegeben hat. Also wenn 40.000 Menschen ihre Stimme nicht abgegeben haben und der Kandidat gewinnt mit 40.000 oder weniger, dann muss es eine Neuwahl geben, solange bis die politischen Parteien gezwungen sind, einen Kandidaten für die Partei aufzustellen, für den die Menschen abstimmen werden. Informationen dieser Art werden vor uns verborgen.
Anstatt Friedenskundgebungen zu haben, sollten wir mehr Kundgebungen haben, um die Menschen zu bilden.
Es gibt ein paar Freunde von mir, die Geschäftsleute sind, Leute vom RAW
(edit: Research and Analysis Wing - indischer Geheimdienst), Bevollmächtigte, die aufrichtig sind, die das System kennen, die das alles schon erlebt haben und die wissen, wie alles funktioniert. Wir denken daran, diese Größen zusammen zu bringen, eine Organisation zu bilden, die keinen politischen Hintergrund hat, die nicht die Absicht hat, gegen die Regierung zu arbeiten, die überwachen wird, was uns versprochen , aber nicht gegeben wurde. Das kann so etwas einfaches sein, wie die Straßen in Ordnung zu bringen, bevor der Monsun kommt. Wer erinnert die Regierung daran – schaut mal, das ist noch nicht erledigt. In ähnlicher Weise könnte es ein Waffengeschäft sein und es könnte einen Ex-RAW-Mann geben, oder einen Polizeibeamten oder einen Militärangehörigen, Leute, die das System kennen und die Regierung auf Unstimmigkeiten aufmerksam machen können, die wir sehen. Das ist das, was wir beabsichtigen. Es geht nicht nur darum, zu reden, sondern darum, etwas zu tun und die Leute darauf hinzuweisen.
Zur gleichen Zeit, als ich dieses Interview für das Fernsehen gemacht habe, traf ich diese Kinder aus der Highschool und die sagten- Sir, wir sind nicht berechtigt, unsere Stimmen abzugeben, aber wir sind Bürger dieses Landes und wir brauchen eine Veränderung. Wir wollen, das unsere Stimmen gehört werden. Können Sie uns anleiten? Ich konnte sehen, das es wirklich gute Kinder waren und das sie wollten, dass etwas Nützliches geschieht. Daher sagte ich zu ihnen, ich werde bei euch sein und wir müssen das System säubern. Also werden wir an einem Sonntag ein Gebiet bestimmen, das wirklich schmutzig ist und wir werden es säubern. Es wird symbolisch für den Beginn der Säuberung des Systems sein. Sie waren so glücklich und sagten, was für eine großartige Idee, Sir. Das machen wir.
Wir haben den ersten Teil des Interviews am 09. Dezember 2008 gemacht, nur ein paar Wochen nach den Anschlägen von Mumbai. Wir sprechen uns mehr als einen Monat später wieder, so dass ich von Ihnen ein Feedback bekommen kann, wie es in Mumbai läuft.
Eine Menge Menschen wollen immer noch viele Dinge tun, aber offen gesagt ist es in diesem Land sehr schwierig, eine gemeinsame öffentliche Meinung zu erzeugen, weil wir zu sehr nach Kasten, Religion, Klassen, Gesellschaften getrennt sind. Wir sind untereinander zu gespalten.
Ich war bei einer Lions-Club Veranstaltung, wo ich einen Award erhielt. Als mich die Presse interviewte, kam ein Typ auf mich zu und sagte –“Sir, ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich auf die prominenten, berühmten Persönlichkeiten wartete, damit sie unverzüglich etwas zu den Anschlägen von Mumbai sagen würden und niemand sagte etwas. Dann kamen Sie und Sie sagten alles, was wir hören wollten, alles, von dem wir dachten, das es richtig war. Leider konnten wir es im Fernshen nicht zeigen, weil das größte Nachrichtennetzwerk es nicht zeigen würde, da die höchste Instanz, einer der höchsten Beamten sagte, dass Sie ein bisschen zu deutlich waren.” Ich lächelte und sagte, wenn heute eine Schauspielerin ihren Freund schlägt, und sie ist nicht einmal die bekannteste Schauspielerin, dann zeigen Sie es einen halben Tag lang. Wenn heute ein Model sein Oberteil verliert, dann zeigen Sie es drei Tage lang und was ich sagte war etwas, das direkt aus dem Herzen kam, unmittelbar nach einem so scheußlichen und schwerwiegenden Anschlag und sie beschlossen, es nicht zu zeigen. Was soll ich dazu sagen? Wie auch immer, es ist im Internet, weil das Netz im Gegensatz zu den Sendern mehr Freiraum hat.
Es macht mir nichts aus, Sie daran teilhaben zu lassen und durch Sie die Leser und Zuhörer, aber nach dem Hören meiner kritischen Bemerkungen schrieb mir ein sehr erfahrener Politiker einen Brief, in dem er mir mitteilte, dass ich zu eindringlich gesprochen habe und dass einige Moslemorganisationen tatsächlich das Wort ergriffen hätten. Ich sagte, Sehr gut, Sir, Sie haben diese drei Organisationen gefunden und sonst nichts. Und ich hatte frei heraus gesprochen, weil ich mich nicht hinter einer Organisation verstecken wollte. Und das ist es, womit ich ein Problem hatte. Mein Standpunkt ist-warum beweisen prominente Personen nicht den Mut, und verteidigen ihre Ansichten? Ich kann diese halbherzigen Äußerungen, wie von Pradhan mantri ne badha khed jataya (der Premierminister bringt sein Mitgefühl zum Ausdruck) und anderen, die sagen; wir sehen es als einen Anschlag der Feigheit und verurteilen ihn. Aber bringt das irgendetwas in Ordnung? Heilt es unser blutendes Herz? Warum ergreifen die Einzelnen nicht das Wort. Ich habe sehr enge moslemische Freunde und wir lieben uns sehr und würden unsere Leben für einander geben.
Ich schrieb dem Politiker mere bhagwan ka naam hai Mohammed Rafi (Rafi ist Gott für mich) Aber ich bin gegen jeden, der gegen die Menschlichkeit ist, egal ob es ein Hindu oder ein Moslem ist, ich bin gegen jeden, der gegen die Menschlichkeit ist, egal, ob es ein Hindu oder ein Moslem ist. Ich bin gegen jeden, der keine Achtung vor dem Leben des Anderen und vor den Beziehungen der Menschen hat.
Sie haben das Beispiel der Zerstörung der Babri Masjid
(edit : moslem. Moschee in Ayodhya, gebaut von Babar im 16. Jahrhundert, 1992 bei einer geplanten Aktion von Hindufanatikern zerstört) gegeben. Als Hindu sage ich, was mit der Babri Masjid gechehen ist, war falsch, weil es abgesehen vom religiösen Aspekt ein historisches Monument war-eine zivilisierte Gesellschaft sollte so etwas eigentlich nicht tun. Ich bin Hindu und ich sage das, aber hat jemals ein Moslem gesagt, dass Babar einen Fehler gemacht hat, als er Ram Janam Bhoomi
(edit : Geburtsstätte von hinduist. Gott Ram, soll durch einen Tempel gekennzeichnet gewesen sein, welcher von Babar zerstört wurde, um die Babri Masjid an der Stelle zu errichten, also noch vor dem 16. Jahrhundert) zerstört hat.
Ich erwarte, das zumindest ein Moslem aufsteht und sagt, ich weiß das es den Ram Janam Bhoomi gab und es war falsch von Babar, es zu zerstören, aber bitte, Leute nehmt keine Rache an uns. Wenn jemand das gesagt hätte, dann denke ich, hätte das einen Unterschied gemacht, aber keiner hat das gesagt. Die Hälfte von ihnen glaubt nicht einmal daran, das es dort den Ram Janam Bhoomi gibt. Die andere Hälfte kann nichts sagen, weil sie Angst vor den Konsequenzen hat.
Was ich von jedem erwarte ist, dass sie bitte ihre Ansichten offenbaren. Als Hindu schäme ich mich dafür, das meine Leute töten, bei einer Bombenexpolsion mitmachen oder ein historisches Monument zertrümmern konnten. Ich habe keine Bedenken, das einzugestehen. Als die Taliban die Buddhastatuen von Bamiyan zerstört haben, brachten viele Leute ihren Zorn zum Ausdruck, aber warum sagen sie nicht dasselbe über Ram Janam Bhoomi? Schließlich ist Ram die von 90 Prozent der Hindus am meisten verehrte Gottheit. Ich persönlich glaube nicht an irgendeinen Gott. Ich verehre und glaube an Allah und Jesus gleichermaßen. Ich gehe in einen Dargah
(edit: geheiligte Stätte eines Sufi), Ich gehe in die Kirche und ich gehe in einen Tempel, aber das bedeutet nicht, dass ich den Mund halten muss, wenn meine Leute etwas Falsches machen.
Sie werden überascht sein, zu erfahren, das nachdem ich mich so deutlich gegen jeden ausgesprochen habe, der ein Terrorist ist – Hindu oder Moslem, ich E-Mails von einigen meiner Fans in Pakistan erhalten habe, die sagten; Sonu Niigaam ji, wir lieben Sie sehr, aber wie können Sie davon ausgehen, dass sie (die Terroristen) Pakistaner sind? Es könnten Hindus sein. Wie sage ich es ihnen-in welcher Welt lebt ihr denn? Aber ich sage trotzdem meine Meinung, obwohl ich weiß, dass die Gefahr besteht, einige dieser Fans zu verlieren, weil nicht jeder so rational sein wird, wie sie meiner Meinung nach sein sollten.
Am 30. November fragte mich ein Journalist unmittelbar, als ich ein Interview gab-Sir, was ist Ihre Meinung? Sollten wir Pakistan angreifen? Ich sagte, sind Sie verrückt? Warum würde Indien Pakistan angreifen? Haben Sie eine Ahnung, was die Konsequenzen dieses Krieges sein würden? Ein Krieg könnte 4 Tage dauern oder er könnte 40 Jahre dauern. Ihre Lebensgrundlage wird zerstört, wieviel Angst werden Sie durchleben, nicht nur Pakistaner, sondern auch Inder. Ich will nicht, dass mein Land Krieg führt.
Unglücklicherweise hat das Leben nur einen sehr geringen Wert und die Menschen lassen den grundlegenden Menschenverstand vermissen. Ich werde Ihnen ein Beispiel geben. Ich war vor vier Tagen in Delhi, und wollte einen Flug nach Bangalore erwischen. Zu der Zeit hatten sie begonnen, den Ausweis der Person zusammen mit dem Ticket zu überprüfen, um sich zu überzeugen, dass das Foto des Ausweises und der Name auf dem Ticket von der gleichen Person sind. Als ich auf dem Flughafen ankam, grüßten mich die Sicherheitsleute, da mich jeder kennt,und baten mich hineinzugehen, ohne mein Gesicht mit dem Foto auf dem Ausweis zu vergleichen, obwohl ich es bereit hatte. Ein weiterer Herr, ungefähr sechzig Jahre alt, gebildet, erhob Widerspruch und sagte, warum überprüfen Sie seinen Ausweis nicht? Der Wachmann sagte, wir wissen, wer er ist. Aber der Mann sagte hartnäckig-aber Vorschriften sind Vorschriften. Als ich versuchte zu erklären, dass es wirklich darum geht, bei unbekannten Gesichtern zu gewährleisten, dass der richtige Ticketbesitzer auf dem Flug ist, sagte der Mann grob, Ich bin berühmter als Sie und Vorschriften sind Vorschriften.
Das ist die Art Land in der wir leben-man verwendet nicht seinen gesunden Menschenverstand und will blindlings allem Möglichen nachkommen. Also kommt Amitabh Bachchan herein und sie folgen Vorschriften und kontrollieren seinen Ausweis-welchem Zweck würde das dienen? Der Mann ist wütend geworden, weil sein Ausweis kontrolliert wurde-er hätte sollen mehr Reife zeigen, aber das ist Indien – es mangelt an der einfachen Liebe und Zuneigung und Anteilnahme für einander. Wir streiten immer, wir sind immer besorgt, das der andere nicht vorrangiger behandelt wird als man selbst.
Dieses Land und sein Denkprozess können nicht über Nacht verändert werden. Die Wut lässt langsam nach, alles geht langsam dahin zurück, wo es war. Menschen, die versprochen haben, sich uns anzuschließen, sind plötzlich beschäftigt und sie sind nicht zu erreichen und alle leben ihre Leben weiter. Ich kann das verstehen, aber ich vermisse eigentlich die Stimmung des Aufbruchs, welche die Leute vor 2 Monaten wahrgenommen haben. Sie ist zu schnell gestorben.
Ich bedanke mich im Namen unseres Forums ganz herzlich bei Frau Kavita Chhibber für die freundliche Genehmigung dieser Übersetzung.
Quelle: ©kavitachhibber.com
Freie Übersetzung ©2009 Bollywoodsbest by Cat12
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