Woodie glaubt daran!
27.August 2009
Anupam Kher schreibt aus London über seine Arbeitserlebnisse mit Woody Allen an seinem neuen Film:
Vor einigen Monaten erzählte mir meine Londoner Agentin, Ruth Young, dass Woody Allen mich in seinem unbetitelten Film als Freida Pinto’s Vater besetzt hat. Diese Neuigkeiten erhielt ich am24. Mai, als ich die Feier anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung meines ersten Films “Saaransh“ ausrichtete. Kein Award den ich in meinem Vierteljahrhundert beim Kino erhielt hatte mich so glücklich machen können, wie diese Neuigkeiten.
Mit Arbeit zugeschüttet, wie ich war, lies der Trubel erst nach, als ich am 23. August zum Drehen in London auftauchte. Plötzlich erkannte ich, dass ich im Begriff war mit jemanden zu arbeiten, den ich über Jahrzehnte hinweg bewundert und verehrt habe. Folglich ergriff mich eine eigenartige Nervosität; genau wie während der ersten Drehtage von “Saaransh”. Aber das war verständlich, da ich ein Neuling unter der Regie von Mahesh Bhatt war. Jetzt habe ich in beinahe 400 Filmen gespielt. Doch jetzt war ich nervös.
Um diese Reaktion zu verstehen, sprach ich mit meinem Mentor Mahesh Bhatt und fragte ihn, wie ich mich verhalten solle, wenn ich auf den Sets von Woody Allen sein würde. Aufgeregt, souverän oder bedeutend? Mahesh sagte,
“Sei einfach so wie du bist: wissbegierig, begeistert, und, sei du selbst.”
Ich erreichte London am nächsten Morgen und wurde zu einer Probe für ‘Kostüm und Look’ mitgenommen. Mir wurde gesagt, dass ich Woody Allen am nächsten Tag sehen würde, weil er Schauspieler nur direkt auf den Sets am Tag des Drehs trifft. Aber ich bat inständig und sie nahmen mich widerstrebend mit zu einem in der Nähe der Location gelegenen Ort. Die Szene, die gedreht werden sollte, war im Außenbereich eines Restaurants auf einer belebten Straße in Notting Hill.
Ich wurde Freida vorgestellt, welche warmherzig war und sich als große Bewunderin meiner Arbeit erwies. Sie stellte mich ihrem Co-Star, Josh Brolin, vor und ich sagte ihm, dass er in “Milk” brillant war. Ich ging dann hinaus auf die überfüllte Straße und einige Bangladeshis winkten mir zu. Aber da war eine übermächtige Stille. Ich suchte nach dem Mann, den ich nur aus Filmen kannte und dessen Bücher ich gelesen hatte und der meine Ikone war. Und plötzlich sah ich ihn. Er war mit seiner typischen beigefarbenen Hose, einem hellblauen Shirt und braunen Schuhen bekleidet. Seine Brille war schwarz. Sein Haar ist weißer geworden und er sah, eigenartigerweise, größer aus.
Ich habe niemals in meinem Leben jemanden gesehen, der konzentrierter war, als er. Für ihn existierte weder die Welt noch die Massen. Es gab keine Sicherheitsleute in seiner Nähe. Die Einstellung für seine Szene war alles, was wichtig war. Sogar die Menge spürte seine Konzentration. Mit Rücksicht darauf bewegten sich die Passanten ohne etwas zu sagen.
Die ausführende Produzentin war besorgt, da sie Woody’s Abneigung kannte, Schauspieler im Voraus zu treffen. Da sie die winkenden Bangladeshis gesehen hatte, wusste sie, dass ich auf dem Subkontinent bekannt war, wie sich herausgestellt hatte und das war ihre zusätzliche Rechtfertigung.
Es gab eine Pause beim Dreh; Woody wandte sich seinem iPhone zu und hörte mit großer Konzentration Musik. Das Mädchen, das für die Kostüme verantwortlich war ging zu ihm hin und zeigte ihm meine Bilder in dem ‚Look’ und sagte ihm, das ich an Ort und Stelle sei. Ich fragte mich, wie er reagieren würde. Meine Zunge war angeschwollen und mein Mund war trocken.Er drehte sich herum und versuchte dem Bild, was er gesehen hatte, das Gesicht zu zuordnen. Und dann erkannte er mich und lächelte.
Ich versuchte das selbstbewusste Aussehen von Anupam Kher darzustellen, dem erfahrenen Schauspieler, der in beinahe 400 Filmen mitgespielt hatte und dem Gewinner vieler Awards. Aber alles, was ich hin bekam, war das verunsicherte Aussehen, das ich hatte, als ich in Shimla als 16-jähriger zum ersten Mal bei Dreharbeiten zusah. Das war bei Rajesh Khanna, Sharmila Tagore und Rakhee in Yash Chopra’s „Daag“.
Ich fragte mich, ob das Lächeln von Woody frei von Höflichkeit war. Aber da war Wärme in seinen Augen. Ich fühlte mich, als würde ich ein Jahr brauchen, um die fünf Fuß zu überwinden, die uns trennten und ich kann mich lebhaft an jeden Schritt erinnern. Sein Handgriff war fest und ehe ich irgendetwas sagen konnte, sagte er,
“Es ist mir ein Vergnügen, Sie zu treffen.” Ich hörte mich selbst sagen,
“Ich kann es nicht glauben!” Woody beharrte darauf und wiederholte,
“Ich bin wirklich glücklich, Sie zu sehen!”
Ich erzählte ihm, das ich alle seine Filme gesehen habe, und er nickte fortwährend, da er solche Bemerkungen viele Male in seiner Karriere gehört hatte. Dann schaute er mich an, als wolle er sagen,
“Kann ich zurück an meine Arbeit gehen…”
Am nächsten Tag drehte ich meine Szenen mit ihm und ich begriff, das alles, was ich in den Jahrzehnten meiner Karriere erlebt hatte, von keinem großen Nutzen war, weil man sich auf keine Schauspielschule verlassen konnte. In meinen Augen blitzten Szenen aus “Annie Hall“, „Manhattan“, „Sleeper“, „Crimes and Misdemeanors“ auf…
Plötzlich wurde die Sonne heller und die Dreharbeiten stoppten. Ich fragte einen Assistenten nach dem Grund und mir wurde gesagt, das Woody bei hellem Licht nicht dreht. Man stelle sich vor, jeder liebt es, bei hellem Licht zu drehen, ausgenommen Woody Allen!
Ich entdeckte, dass ich meinen Fotoapparat in Mumbai zurück gelassen hatte und entschied, das es schade wäre, die Bilder von diesem Anlass mit meinem Handy aufzunehmen. Und als der Tag dem Ende zuging, war Woody gesprächiger. Ich erzählte ihm, dass sich das indische Kino veränderte und das wir die Art Filme machten, die wir schon immer machen wollten. Seine überzeugende Antwort war, das dies nur geschehen könnte, wenn sich das Publikum verändert. Er sprach von seinen früheren Jahren in New York, als er Filme von Satyajit Ray und Kurosawa anschauen wollte.
“Aber jetzt ist die Zeit der 200 Millionen Dollar Blockbuster,” sagte er.
Später am Abend kaufte ich eine Kamera und knipste einige Bilder. Ich veranlasste auch, das Woody einige Bücher mit einem Autogramm versah und schenkte ihm Exemplare des Ramayana und der Gita. Eine der erlesenen Erinnerungen an diesen Tag, die ich mir bewahren möchte war, als Woody eine Szene mit vielen Leuten drehte und er wollte, das sich die Kamera, in seinem typischen Stil, von einer sprechenden Person zu einer anderen bewegte. Am Ende sagte er zu seinem Kameramann,
“Du hast dich ein bisschen verirrt... aber das Chaos gefällt mir.”
Gewiss, drei Tage mit Woody Allen zu arbeiten waren für mich die unvergesslichsten Momente beim Kino. Und ich möchte mich dafür bedanken, dass das indische Kino all das möglich gemacht hat. Wie ich in meinem Einpersonenstück gesagt habe, “Kuchh bhi ho sakta hai…” Oder, wie meine Großmutter sagen würde, “Allah meherban to gadheda pahelwan!”
Quelle: ©mumbaimirror.com
Freie Übersetzung ©2009 Bollywoodsbest by Cat12
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