Cat12

Der etwas andere Deol
Text by MONICA BATHIJA and Photographs by HARSH MAN RAI, January 2009
Sein ‘DEVDAS’ steht auf eine lateinamerikanische Strippteasetänzerin aus Los Angeles, er begann mit seinem eigenen Produktionshaus, so dass er all die Filme machen kann, die ‘nicht funktionieren werden’ und er ist startklar, um in zwei verschiedenen Städten zu wohnen – NEW YORK und MUMBAI. ABHAY DEOL ist das Gesicht des imposanten Wiederauflebens des unabhängigen Kinos:

Bei den vor kurzem stattgefundenen Dreharbeiten der Diebeseskapaden “OYE LUCKY! LUCKY OYE!” erinnert sich Regisseur Dibakar Banerjee daran, dass eine Menge Leute aus der Siedlung, in der sie drehten darauf warteten, dass der Dreh vorüber ist, um sich mit Abhay Deol fotografieren zu lassen und sein Autogramm zu bekommen. “Ich wusste nicht, dass er eine so gewaltige Fangemeinde hat,” sagt Banerjee mit einem Lächeln, das man durch das Telefon spüren kann.
Das ist wahrscheinlich so, weil der jüngste der Deol - Männer, der neben anderen Rollen auch einen Romanautor gespielt hat, einen Mann mit den Fähigkeiten eines Superhelden und einen Einbrecher, nicht als der typische Bollywoodstar wahrgenommen wird. Eigentlich wird Abhay nicht mal als der typische ‚Deol’ wahrgenommen. Für die einen ist er groß, aber dünn. Für die anderen hat er das Deol - Lächeln, aber nicht die Muskeln. Für wieder andere macht er weder die Action ‘dhai kilo ka haath’ (edit: ein Ausschnitt aus einem Dialog eines Sunny-Deol-Filmes, bedeutet soviel wie: zweieinhalb Kilo-Hand), noch die Sache mit dem ‚um-die-Bäume-rennen’.
Das umfasst die Deol - Erscheinung, eine Sache, die von ihm gleich am Anfang erwartet wurde. Dann kommt das Stück Bollywood, das Stück, wo es darum geht, ein romantischer Held zu sein, der selbstverständlich das Tanzbein schwingt und gleichzeitig die Lippen zu einem Song bewegt. “Im Alter von 10 Jahren sah ich “Star Wars”,” sagt der Schauspieler, der auf einer Matratze auf dem Boden seiner Junggesellenbude im Vorort Juhu in Mumbai sitzt, während das Dienstmädchen weiterhin im Hintergrund in der Küche arbeitet. “Ich wurde davon verdorben, da es meine Phantasie komplett eroberte und meine Abneigung gegen das Singen und Tanzen begann. Ja, es war nur ein weiterer kommerzieller Film, aber ich hatte begriffen, dass es großartige Filme gab, die perfekt ohne Singen und Tanzen funktionierten.”
Da war er also, nachdem er sein Studium beendet hatte und verschiedene andere Sachen in seinem Leben gemacht hatte, und gab Imtiaz Ali, den Regisseur seines ersten Filmes “Socha Na Tha”, den Stil — den ‘lass mich nicht Tanzen’ Stil. “Glücklicherweise war Imtiaz auch nicht scharf darauf,” sagt er mit einem Lächeln. Es ist nicht so, dass er nicht tanzen kann, er kann besser tanzen, als die anderen Deol - Männer, es ist nur so, dass er diese choreographierte, pantomimische Sache nicht machen will.
“Bollywood Sequenzen sind so anzüglich. Außerdem wird kein Singen und Tanzen eine Story vorwärts bringen,” sagt er.
Wir werden stattdessen den Rückblick wiederaufnehmen. Zu Anfang, warum er kein Deol sein wollte, als es mit dem Schauspielen begann. “In den Achtzigern war es gar nicht cool, ein Schauspieler zu sein. Sie haben sich in der Schule über mich lustig gemacht,” sagt er. Alle Kinder spielten Dieb und Polizist, also war die Logik, was soll schon bei einem Schauspieler schwierig sein und er erinnert sich, dass er für seine Familie eintrat und sagte, dass es harte Arbeit war und es, genau wie bei allen anderen Dingen, Kurse dafür gab.
“Ich wusste nicht sicher, ob es welche gab. Jetzt gibt es sie natürlich. Dann wollten meine Eltern, wie alle typisch indischen Eltern, dass ich Arzt oder Ingenieur werden sollte.” Was?! “Ja, es wäre doch schön gewesen, einen Arzt in der Familie zu haben.” Dann war da noch die Tatsache, dass alles als selbstverständlich angesehen wurde, von Leuten, die sagten Sachen wie: ‘beta bada ho ke hero banega’ (edit : mgl.: Der Sohn wird mal ein Held werden – Hauptrollen spielen). “Deshalb wollte ich lange nicht schauspielern.”
Ein ausgesprochener kleiner Rebell, direkt von Anfang an, der graphisches Design gemacht hat, Theater gespielt hat, in Los Angeles studiert hat und neben anderen Dingen auch T-Shirts auf einem Flohmarkt in Goa verkauft hat, obwohl das Schauspielen, wie er sagt, immer im Hinterstübchen seines Kopfes gewesen ist.

Eine weitere Sache, die eine ganze Weile lang immer seine Gedanken bestimmte, war „Devdas“.
“Ich habe diese unbestimmte Erinnerung, in der ich ein Poster von Dilip Kumars “Devdas” sehe und denke ‘Ich werde eines Tages ‚Devdas’ spielen’,” sagt er.
Er wollte einen zeitgenössischen Film und trug das Konzept mit sich herum, siedelte es manchmal in Mumbai und manchmal in Los Angeles an, erzählte es Leuten, von denen die meisten es zuerst überhaupt nicht verstanden. “Dann erzählte ich es Anurag (Kashyap). Ich ließ ihn sich setzen und mein Tip für ihn war, dass es eine lateinamerikanische Strippteasetänzerin in einer Bar in Los Angeles gab, die ‘Moonlight Bar’ hieß.” (Chandramukhi, versteht ihr?).
“Dev D geht eine Beziehung mit der Tänzerin ein und dann ruft sie ihn eines Tages zu sich und trägt einen Sari. Er denkt, okay, das ist eine nette Überraschung, aber das ist nicht alles. Sie legt dann eine DVD ein und Madhuri’s ‚Maar Daala’ läuft los,” sagt er. Er besinnt sich darauf, dass Kashyap sitzen blieb und die nächsten 30 Minuten einen Drink nach dem anderen nahm (“er machte damals seine eigene Devdas Phase durch”) und dann sagte, “Lass uns den Film machen.” Und so begann der Kampf, einen Produzenten für den Film zu finden, dessen Veröffentlichung im nächsten Monat bevorsteht.
Ein Film, der bereits mehrere Male vorher versucht wurde.
“BHANSALI’S Film war eine hübsche Verpackung ohne Inhalt. Er war so melodramatisch. Es gab nichts Geheimnisvolles dabei. Und Chandramukhi und Paro haben zusammen getanzt! Das war klassisch!!” sagt er und gibt lebhaft Applaus. “Sarat Chandra Chattopadhyay muss sich in seinem Grab umgedreht haben.”
Sein eigener, “Dev D”, mag auch eine klassische Bollywood Geschichte sein, aber sie ist zeitgenössisch. Im Grunde genommen ist es nicht so, als hätte er etwas gegen die Mainstream Bollywood Richtung, es ist nur so, dass seine persönlichen Gefühle, und die von denjenigen, mit denen er arbeitet, anders sind. “Es ist trockener Humor. Das ist Anurag Kashyap zum Beispiel,” sagt er von dem Film, wegen dem er beinahe nicht den prahlerischen Dieb in „Oye Lucky“ gespielt hätte!
“Ich hatte 2007 drei Veröffentlichungen und „Dev D“ wurde bestätigt. Ich musste sehen, wohin sich alles bewegt (was ich auch jetzt noch tue). Und dann rief mich Dibakar an und ich war sehr ungezwungen deswegen, so wie ‘mal sehen, worum es geht’. Und dann legte er mir seine Idee dar und ich war wirklich begeistert,” sagt er. Banerjee wollte lieber einen Schauspieler als einen typischen Star (da ist dieses Wort wieder) haben und der Charakter brauchte eine Person, bei der die Leute den Star vergessen würden und dem Regisseur zufolge ist für so jemanden nicht viel Auswahl möglich. “Abhay ist unaufdringlich, er ist ein klassischer Filmschauspieler, die Dinge spielen sich auf seinem Gesicht ab, in seinen Augen. Er muss nicht laut schreien, man kann sehen, was in seinem Inneren passiert. Er ist auf seinem Weg, ein Filmstar für gehaltvolle Filme zu werden,” sagt Banerjee.

Der untypische Bollywoodstar. Das Aushängeschild des bedeutungsvollen Kinos. Der Mann, der am meisten mit Debütregisseuren arbeitet. Dieses ‘Schubkasten’ – Ding, diese Fächer in die man im Leben gern andere Menschen unterbringt, genau das macht auch Bollywood mit seinen Filmen und seinen Leuten.
Nun ist es nicht so, sagt Abhay, dass sein Bruder Bobby nicht gern anders geartete Filme machen möchte. Aber es ist schwerer für ihn, weil niemand wegen solcher Filme auf ihn zukommen würde, weil sie denken, er würde sie nicht machen wollen, sagt er.
Oder eigentlich auch sein Bruder Sunny. “Im wirklichen Leben ist Sunny sehr risikofreudig. Raj Kumar Santoshi machte mit ihm sein Debüt,” betont er. Und deshalb konnte er ihm Imtiaz für “Socha Na Tha” bringen, der von Dharmendra produziert wurde. Und deshalb ist er froh, sich seine Zeit genommen zu haben, zu tun, was ihm Spaß gemacht hat und sich nicht zu wiederholen.
“Es ist wichtiger, mich selbst zufrieden zu stellen und danach große Filme zu machen. Sobald man zu den ganz Großen gehört, ist es schwer auszubrechen. Deshalb freue ich mich wirklich, dass sich meine Karriere Schritt für Schritt entwickelt.”
Er ist jetzt bereit, für die Verfolgung seiner Träume einige tausend Meilen wegzuziehen — nachdem er ein Jahr lang von Set zu Set gezogen ist, das letzte war eine kurze Phase in Bhuj, ist er nun startklar nach New York zu ziehen, wo er sich auf Kunst und Holzhandwerk verlegen will, die selbstständige Szene testen will, während er weiterhin nach Projekten Ausschau hält, die ihn interessieren und zurückkommt, um dafür zu drehen.
“Ich liebe die Menschen in Bombay, aber für mich ist Lebensqualität wichtig. In den USA ist die Infrastruktur vorhanden, die Unterhaltung ist vorhanden, es gibt viel mehr Auswahl.”
Da ist eine weitere Sache, die ‘einem Deol nicht ähnlich’ ist — zuerst aus dem dicht gewebten gemeinsamen familiären Nest zu flattern und allein zu wohnen und dann noch dazu im Ausland zu leben. “Meine Neffen werden wahrscheinlich auch ausziehen,” sagt er und fügt hinzu, “obwohl sie im Moment noch Kinder sind.”
Der 32-jährige war ziemlich jung, als Sunny’s erster Film “Betaab” 1984 herauskam, und er erinnert sich, das für die Familien Vorführungen arrangiert wurden und wie sie zu besonderen Ereignissen wurden. “Für meine Filme wurden keine Vorführungen arrangiert, aber ich habe auch nicht deswegen gedrängelt. Ich bin zu verlegen, um einen meiner Filme mit meiner Familie anzuschauen,” sagt er.
Ein Sache, nach der er sich gedrängelt hat, ist die Rolle des SV im Noirfilm (edit: Filmgenre) seines guten Freundes Navdeep Singh „Manorama Six Feet Under“. Abhay hatte das Drehbuch im anfänglichen Stadium gelesen und war scharf darauf, aber der Film sollte mit Irrfan Khan gemacht werden.
“Ich dachte, Abhay wäre zu jung und zu städtisch für die Rolle,” sagt Singh. “Jetzt stecken Sie mich in eine Schublade, sagte ich zu ihm,” sagt Abhay lachend. Aber dann ging die ganze Sache mit Khan daneben und Abhay fragte ihn wieder. Die einzige Bedingung, die Singh hatte, war das er sich einen Oberlippenbart wachsen ließ und sich eine Bräune zulegte.
“Er hat mich überraschte, Freund,” sagt Singh. “Er ist ein kluger Bursche und ein toller Schauspieler. Er lässt sich von der Geschichte einnehmen. Er könnte ein großer Fisch in einem mittelgroßen Teich sein, aber er folgt seinem Herzen, entfernt vom Gruppenzwang und gesellschaftlichen Druck,” sagt er und fügt hinzu, “Schauspieler reden davon, dass zu tun, aber sie lassen ihren Worten keine Taten folgen.”

“Manorama...“ funktionierte laut Abhay deshalb nicht, weil es als Liebesgeschichte mit Dreiecksbeziehung, als Thriller vermarktet wurde, als alles – nur nicht als der Noirfilm, der er wirklich war. Der Grund? Das Publikum würde ihn sich nicht ansehen.
Sechs Filme später jedoch hat für Abhay alles funktioniert und die vielen ‚es-wird-nicht-funktionieren’ -Behauptungen haben ihm sogar einen Namen für sein Produktionshaus gegeben — ‚Forbidden Films’.
Der erste, der darauf wartete, auf die Leinwand zu kommen ist Atul Sabharwal’s “Junction“, der Film, den er beinahe nicht gemacht hätte, weil es ‚ein weiterer Debütregisseur’ war”. “Idealerweise würde ich gern entweder produzieren oder spielen. Aber dieser Film hat drei Hauptrollen, durch welche die Geschichte erzählt wird, so das die Belastung geringer ist und es leichter sein wird,” wirft er ein in Bezug auf aufgeschobene Markterholung, neu zu verhandelnde Preise (einschließlich seines eigenen), Begriffe, die er lernen musste.
Er hat schon immer von den Filmen gelernt, die er sich angesehen hat und vom Theater, bei dem er gespielt hat und so fragen wir ihn über die Tatsache, dass wir gehört haben, dass er sich oft iranische Filme anschaut. “Ich hasse Wikipedia. Jeder fragt mich das,” sagt er und fährt fort, indem er klarstellt, das er gesagt hat, das die iranische Kultur der indischen ähnlich sei und trotzdem sind unsere Filme so verschieden und so weiter. “Ich schaue alle Arten von Filmen an. So macht es auch Bobby und so macht es Bhaiya (Sunny).”
Er erinnert sich, dass er als Kind viele Western angeschaut hat. “Dad mochte Western sehr gern,” sagt er. Mit Dad meint er seinen Onkel Dharmendra, den er immer Dad oder Papa ruft. “Bitte sagen Sie, ich habe Dad gesagt. In einem kürzlichen Interview sagte ich Tauji ( edit : möglicherweise ist hier Pan Tau gemeint), und ich musste unterscheiden, was zu tun sei,” sagt er mit einer großen rechtfertigenden Schulterzucken, “und er las es und sagte ‘achha ab tauji bulane lag gaye ho’ (edit: mgl. Ach so, jetzt wirst du mich Tauji rufen), deshalb wollte ich das er dies liest.”
Nennen Sie ihn typisch so oft sie wollen, im Herzen ist er einfach ein Deol.

Typisch ABHAY
Als er gefragt wurde, ob er irgendeine besondere Nummer auf dem Nummernschild seines neuen Pajero haben möchte, wartete er mit der 420 auf (edit: Paragraph 420 des ind. Strafgesetzbuches befasst sich mit Betrug, Diebstahl usw.). Und das war vor “Oye Lucky”!
“Ich möchte nicht heilig klingen,” sagte er, bevor er darüber spricht, dass er ein Krawatten- und Sonnenbrillenfetischist war. War. Bis sein Jamadar kam, um sich 20.000 Rupien für ein Dach über seinen Kopf zu leihen. Es regnete und Abhay hatte sich kurz zuvor ein paar Sonnenbrillen für 12.000 Rupien gekauft. Damit hatte sich die Sache erledigt.
“Vergeude nichts, was dein Stil erfordert,” sagt er. Wer sagt, das Promis ihre Kleidung nicht wiederholt tragen, fragt er. “Quatsch, sch… drauf. Mir egal, ob ich Kleidung wiederholt trage.”
Als er gefragt wurde, ob er das Make-up nach dem Dreh entfernen will, sagte er nein und ging absichtlich mit dem blauen Auge nach Hause.
Wiederholung ist langweilig. “Ich werde niemals in der Lage sein, vor einem Editiertisch zu sitzen. Sich immer wieder fünf von sechs Möglichkeiten anzuschauen und dann auszuwählen.”
Quelle©mansworldindia.com
Freie Übersetzung ©2009 Bollywoodsbest by Cat12
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. Abhay ist anders, und dieses anders macht ihn interessant. Mit Recht ist er der Mann des Jahres 2009 geworden!