Die Fabeln eines Geschichtenerzählers
Text by RAJAT KAPOOR and Photographs by HARSH MAN RAI

2009 begeht ‚Motley’, die hoch angesehene Mumbaier Theatergruppe, welche von Naseeruddin Shah mitbegründet wurde und die dazu beitrug, ihn als einen der Größten des indischen Theaters herauszubilden, ihr 30. Jubiläum. Dieses Jahr kennzeichnet außerdem die Vollendung von 150 Filmen seines beindruckendsten Kino - Gesamtwerkes. Aber der 59 –jährige Schauspieler und Regisseur, der zuerst auf der großen Leinwand in Shyam Benegal’s “Nishant“ (1975) zu sehen war, sagt, das er erst jetzt seine Stimme gefunden hat. Hier spricht er mit dem bekannten Regisseur Rajat Kapoor darüber, warum er es schwierig findet, in Filmen so zu tun, als ob und warum Amitabh Bachchan nicht mehr real ist.
Was halten Sie heute von der Schauspielerei, gegenüber der Zeit, die 30 Jahre zurückliegt, als sie angefangen haben?
Eine Begebenheit, die meine Denkweise bestimmt hat, war die Veröffentlichung von Dr. Shriram Lagoo’s Autobiographie, die er ‚Lamaand’ nannte. Lamaand bedeutet ‘Gepäckträger’, nicht wahr? Hervorragend, einen besseren Titel als diesen...andererseits schreiben die Schauspieler in ihren Autobiografien alle Unwahrheiten, alle zusammen, nur Unwahrheiten. Sie können die Wahrheit und Fantasie nicht länger auseinanderhalten, und dadurch sind diese Storys wahr geworden. Aber ich habe es nicht gelesen, weil es bisher nicht ins Englische übersetzt ist, aber ich bin sehr scharf darauf, es zu lesen, weil Dr. Lagoo ein Mensch ist, vor dem ich sehr großen Respekt habe. Und als er dieses Buch herausbrachte, passte es mehr oder weniger zu den Gedanken, denen ich mich beginne zu zuwenden, nämlich das die Schauspielerei kein Selbstzweck ist. Das ist etwas, was ich so empfunden habe, ke bhai - die Schauspielerei existiert nur der Schauspielerei zuliebe. Du bist ein guter Schauspieler, also ist es dein Job, damit anzugeben, wie gut du bist.
Nein...!
Doch. Das glaubte ich, als ich so 20-21Jahre alt war, yaar und ich bin sicher, das viele Kids das glauben. Das waren die Tage, als ich davon träumte, berühmt zu werden und überall in der Stadt Bilder von mir hängen zu sehen, und diesen ganzen Kram. Ich bin nicht Schauspieler geworden, um der Kunst zu dienen, ich bin Schauspieler geworden, um berühmt zu werden, um reich zu werden, so das mich jeder kennen würde und all so etwas, und deshalb denke ich, das ist der Grund, weswegen jeder Schauspieler werden will. Niemand wird aus ernsten Absichten heraus Schauspieler. Nur diejenigen, die etwas leichtsinnig in ihrer Ansicht über das Leben und leicht verhaltensgestört sind.
[Rajat lacht.]
Ja. Die Sonderbaren (lacht), die Schauspieler werden. Dabei sprechen wir nicht über Leute wie Sie, weil Sie ein Mensch sind, der intellektuell veranlagt ist und das Schauspiel für Sie eins… nur eins der Dinge ist, die Sie tun. Für einen Menschen wie mich war die Schauspielerei vollkommen. Alles. Es existierte nichts außer ihr, und als ich lernte und mich damit beschäftigte, erinnere ich mich, das ich von der Schauspielerei total besessen war und auch von dem tiefen Glauben, das der Schauspieler das Zentrum von allem ist und das alles dazu da ist, ihm zu dienen, was dumm und kindisch war. Aber ich dachte so, ich empfand das für eine lange Zeit und das begann sich schrittweise zu verringern, als ich begann in Filmen mitzuspielen. Weil ich begriff, dass es bei manch einem Film so ist – je mehr du dich bemühst, desto schlechter wird deine Schauspielkunst und, Sie wissen, manchmal…
[Rajat lacht.]
…und es ist nicht deine Schuld, du hast ebenso unnachgiebig dieses wie auch jenes versucht und daher läuft es alles auf den Kontext hinaus, in den man sich hinein versetzen muss.
Und wie der Film editiert wird, welcher Sound ausgewählt wird...
Wie sie ihn editieren werden, wie sie ihn beleuchten werden, wie man darin vorkommen wird, usw., usw. Daher ist die Schauspielerei nicht wirklich der Mittelpunkt von allem. Folglich begann ich es für möglich zu halten, das irgendetwas nicht stimmt, aber es war schwierig, sich von dem Gedanken zu trennen, Sie wissen schon, dass ich das Wichtigste bin, was da herum läuft. Ich erinnere mich, Auseinandersetzungen gehabt zu haben, wütende, stundenlange Auseinandersetzungen mit Kamera – Studenten, die eine Kameraübung machen mussten und die zwei Kerle wollten — einen, der dasitzt, einen der auf einem Fahrrad vorbeifährt — und ich sagte, ‘Nein, aber (lacht) warum fahre ich auf einem Fahrrad vorbei? Wo fahre ich denn hin’ , und er sagte, ‘ Das ist mir scheißegal, wohin du fährst’ , und ich sagte, ‚Nein, dass ist das verdammte Problem mit euch Typen, ihr helft uns nicht.’ - Und wie wahnsinnig kindisch das gewesen ist, und ich sehe ein, das ich auch vielen Filmemachern eine sehr mühevolle Zeit beschert habe.
Welchen? Geben Sie mir ein Beispiel.
Hmm… Ketan (Mehta)... Vidhu Vinod…
In „Khamosh“?
Ja.
Und bei welchem von Ketan?
Bei Ketan in „Bhavni Bhavai“, „Mirch Masala“. Ketan und ich... ich weiß nicht, wir scheinen nur durch Auseinandersetzungen zu kommunizieren. Sogar als wir gemeinsam an einem Stück arbeiteten, es waren immer Auseinandersetzungen, und es waren alles verflixt intelligente Auseinandersetzungen. Es kannte ganz einfach keiner von uns die praktischen Grundlagen des Jobs, verstehen Sie. Doch langsam hatte ich das Gefühl...
Es tut mir leid, ich werde Sie nur für eine Sekunde unterbrechen. Ich denke, was Sie vorher sagten, war ziemlich interessant. Das Ihnen, als Sie mit der Schauspielerei beim Film begannen, die Einsicht kam, das der Schauspieler nicht der Mittelpunkt eines Projekts oder des Universums ist, was ziemlich verständlich ist, weil im Theater ist der Schauspieler der Mittelpunkt des Universums.
Ich würde allerdings sagen, das es für einen Schauspieler auch im Theater die falsche Einstellung ist. Der Geruch von allem verändert sich, sobald ein Mensch beginnt vorauszusetzen, das er der Dreh – und Angelpunkt ist, wissen Sie, und es geschah, weil ich bemerkte, das es in meinen Darstellungen in Filmen Momente gab, bei denen ich mich nicht erinnerte, sie gedreht zu haben, die aber äußerst wirkungsvoll waren. Und diejenigen, bei denen ich mich geplagt habe, die ich angegangen bin, an denen ich mir die Zähne ausgebissen hatte, nun, die waren das nicht! Das gab mir das Gefühl, das da noch viel mehr ist, als nur dein schauspielerisches Talent, was in Filmen zählt, und vielleicht im Theater genauso.
Ich sehe es so, das der Schauspieler das Rohmaterial für das Theater ist. Man kann im Theater ohne einen Schauspieler kein Profil erzeugen.
Richtig.
Ob es durch seinen Körper, durch seine Stimme, durch seine Gestiken ist, es ist seinetwegen, das ein Profil erzeugt wird. In Filmen hingegen ist das Profil…
…ist er einer der Einzelteile für das Profil. Diese Herangehensweise ist für einen selbstgefälligen Schauspieler eine bittere Pille zu schlucken, wissen Sie, aber ich habe es geschafft, sie zu hinunterkriegen.
Aber es kostete Sie ein paar Jahre, sagten Sie.
Es dauerte eine Weile.
Aber ich muss sagen, ich habe Ihre früheren Filme gesehen, “Nishant”, das war Ihr erster Film, “Manthan“, „Bhoomika“, „Bhavni Bhavai“, während man diese Filme angeschaut hat, bekam man nicht dieses Gefühl, das da ein selbstgefälliger Schauspieler war.
Sie hatten nicht das Gefühl, das da ein Schauspieler ist, der angibt? In „Junoon“?
In „Junoon”, ja, vielleicht.
In „Bhavni Bhavai“? Ich bekomme sogar das Gefühl, wenn ich ihn mir jetzt anschaue. Das da ein Schauspieler ist, der ‚darauf aus’ ist zu beweisen, das ich besser bin als sonst irgendjemand, und das ist...
“Aakrosh”, “Albert Pinto”… sehen Sie, da gibt es Momente, die sind herausragend, finde ich, sogar 30-35 Jahre nachdem sie gedreht wurden. Und auch die gesamte Leistung bildet eine Einheit. Sie bleibt bestehen, und auch heute denke ich nicht, das sie versucht, den Film oder das Image zu übertrumpfen.
Ja, sicher, aber ich denke zur Zeit von “Akrosh” begannen die Dinge sich in meinem Sinne zu entwickeln. Außerdem hatte ich in einigen dieser kommerziellen Filme mitgespielt und erkannt, wie scheußlich ich darin war. Und noch einmal, es hat nichts mit meinem Talent zu tun, wie man es nennen mag, aber mit meiner ganzen Herangehensweise an die Sache und der Tatsache, das ich einfach nicht hinein passte. Als ich mich selbst in diesen Filmen sah, dachte ich mir, ich sehe falsch darin aus. Ich sagte mir, ’Was tut dieser Typ da eigentlich, er sollte nicht dort sein’.
Warum ist das so?
In den weit verbreiteten Filmen, in der künstlichen Art der Kulisse mit diesen ziemlich unechten Situationen, der unechten Umgebung… alles ist unecht yaar. Man kann in dieser Umgebung keinen Menschen haben, der echt ist. Deshalb ist das etwas, bei dem ich niemals die Balance gefunden habe. Wie ich... wie ich...
Sie haben nie in einem Mainstreamfilm mitgespielt, in dem…
…in dem ich vollständig zufrieden war? Nein.
Nein?
Sehen Sie, es ist eine komische Sache passiert... als ich 19 oder 20 Jahre alt war, hätte ich die „Karmas“ und die verdammten „Sunainas“ und all das spielen können... ohne Probleme. Zu der Zeit, als die herauskamen… mehr noch nach dem FTII
(edit: Film and Television Institut of India) hatte sich meine gesamte Herangehensweise an das Schauspiel geändert. Ich... sie hatte sich nicht geändert, sie hatte sich…, ich hatte etwas mehr gelernt — über die Grundlagen des Jobs. Lustigerweise im FTII, nicht in der NSD
(edit: National School of Drama).
Wirklich? Warum war das so?
Wegen des Ablaufs dort. Es war so ein fantastisches Hoch... denn als ich zu dem Institut kam, hatte ich dieses schreckliche Problem herauszufinden, ’Wie kriegen diese Schauspieler das hin? Wie machen die Hoffmans und diese… es gab da einen tschechischen Schauspieler, den ich gesehen hatte, der hieß Derr Oscarson. „Hunger” hieß einer seiner Filme, ich weiß nicht, ob Sie ihn gesehen haben. Und ich habe noch einen oder zwei gesehen - den Film von Ray Sahib, den Film von Bergman Sahib in diesem schwedischen was – auch - immer… diese Botschaft oder wo das auch gewesen ist… Und ich konnte herausfinden wie ein Schauspieler vom Format eines Laurence Olivier spielt. Wie es Richard Burton macht — wie diese Typen das machen, da war ich dahinter gekommen. Was ich nicht verstand, war, wie macht es ein Typ wie Dustin Hoffman. Weil ich nur den ersten Film von Dustin Hoffman gesehen hatte. Denn er war klein, er sah nicht gut aus, er war nicht sympathisch.
Und trotzdem außergewöhnlich beeindruckend.
Und trotzdem total beeindruckend und restlos glaubwürdig, ein Gefühl, das man bei Olivier nie hatte. Man hatte das Gefühl bei Brando, aber niemals bei Olivier oder Burton oder O’Toole… bei den Großen.
Ach ja? Ich liebe Peter O’Toole.
Ich liebe ihn. Aber er sieht nicht aus wie ein echter Mensch. Er sieht aus wie ein... irgendein verdammter Traum. Da ist immer eine bestimmtes Auftreten.
Es gibt einen Film, der heißt “The Stunt Man“ — haben Sie ihn gesehen? Wo er einen Filmregisseur spielt. Er ist sagenhaft… und ich denke außerdem, es ist einfach die Art, wie er spricht.
Ja, ja, sogar ich selbst habe Peter O’Toole imitiert. Sehr genau — nachdem ich “Beckett” und Filme wie “Beckett“ gesehen hatte.
Wie?
Indem ich ihn... einfach nachgemacht habe.
Und da sagen Sie, das er niemals glaubwürdig war…
Er war es nie… wenn ich es jetzt anschaue, wenn ich ihn einen „Goodbye Mr Chips“ spielen sehe, ist er es nicht. Er ist zu stattlich, verstehen Sie. Und er hat dieses ganze Auftreten, das er immer mit sich führt, von Film zu Film… dieses physische Auftreten. Und diese brennenden Augen, die er bekommen hat. Es ist auf eine Art nach einer Weile vorhersehbar...
Was ist mit Typen wie James Stewart und Henry Fonda?
Ja, ich denke, die sind wundervoll.
…in „Grapes of Wrath“, zum Beispiel.
…und Gary Cooper.
Gary Cooper und Cary Grant.
Und Cary Grant. Und keine von denen sind große Schauspieler, oder? Wenn man sie am Maßstab eines Olivier misst, ist keiner von denen ein großer Schauspieler — die haben nicht diesen, wie heißt es gleich… diesen extravaganten Stil und das alles. Aber sie wurden von den Filmemachern brillant eingesetzt.
Also waren sie große Filmschauspieler — kann man das so sagen?
Ich nehme an, das kann man so sagen. Und sie hatten genug Glück, Filmemacher zu haben, die das Potential in ihnen erkannt haben. Also ungefähr zu der Zeit, begann ich diesen Begehren zu verlieren, das ich diese Rolle machen will und jene Rolle machen will — und ich begann zu spüren, das es der Filmemacher ist, der es am besten weiß und einen besetzen würde. Wenn man richtig für die Rolle ist, wird man dafür besetzt. Und diese Ansicht ist über die Jahre stärker und stärker geworden, was der Grund dafür ist, weshalb ich bezüglich der Länge der Rolle und des Geldes und wegen der ganzen Dinge nicht mehr so zimperlich bin, wie ich es war. Doch das war ein Prozess des Wachsens, welcher auch das Verständnis dafür einbezog, das man nur so gut ist, wie der Job den man macht. Man ist albern, wenn man versucht, besser als der Film zu sein — und weshalb sollte man das tun? Und man ist eines der Elemente des Filmes, mit dem der Regisseur wünscht, etwas zu übermitteln. Dein Job ist es, der Vision des Drehbuchautors und des Regisseurs eine konkrete Form zu geben.
So, das bringt uns zurück zum ‚Gepäckträger’...
Ja, also das stimmt perfekt mit dem ‚Gepäckträger’ überein. Weil es nicht deine Aufgabe ist, das du jede mögliche Rolle spielst, oder jeden möglichen Gesichtsausdruck zeigst, deine Aufgabe ist es nur, das Gepäckstück mit dem du beauftragt bist, sicher...
...ans Ziel zu bringen.
Ans Ziel zu bringen (lacht). Zu kommunizieren. Darum führte das dann zu einer ganzen Menge anderer Gedanken, Rajat, also wo hat das ganze mit der Schauspielerei angefangen und warum? Es ist nicht möglich, das da jemand hingestellt wird, mit der Aufgabe, das Publikum durch Gestikulieren zum Lachen zu bringen, so erinnerte ich mich an Sachen, die uns in der Theaterklasse im NSD beigebracht wurden. Sie wissen ja, alles, was man lernt, zahlt sich irgendwann aus, verfluchte 40, 50 Jahre später... ja und ich entsann mich, das Panchal Sahib uns Zeug erzählt hat, worüber ich zur damaligen Zeit sagte, ‚Worüber zum Teufel redet der da’. Der Höhlenmensch geht auf die Jagd, verstehen Sie. Und ich sagte, ‚Lass es sein, Kumpel, was für einen Mist erzählst du uns hier. Erzähl uns lieber etwas über, zum Beispiel, die Bühne und die Beleuchtung und all das’, aber ich bin zu der Schlussfolgerung gekommen, das sich alles darum dreht, den Inhalt zu übermitteln.
Wissen Sie, ich habe irgendwo darüber gelesen, warum die Bühne leicht erhöht ist. Es ist wegen der Griechen, denke ich, die glaubten, das die Schauspieler an und für sich Umgang mit den Göttern pflegen.
Im Zustand der Besessenheit, im Zustand der Gnade...
(edit: state of grace – ist die Beschreibung eines Zustandes durch Grotowski – ich kann mit dem ‚Zustand der Gnade’ auch falsch liegen, da etwas sehr spezielles vermittelt werden soll)
Ja… in einem Zustand der Gnade. Haben Sie...?
Das ist eine sehr gefährliche Angelegenheit.
Empfinden Sie das so? Ich bin sicher, Sie haben das auf der Bühne gefühlt?
Ich würde es nicht gern einen Zustand der Gnade nennen, obwohl das der Ausdruck ist, den Grotowski (Jerzy) auch verwendet. Ich finde diesen Ausdruck sehr aufgeblasen. Man empfindet gelegentlich, und ich kann nicht behaupten, das ich es fortlaufend während eines Auftritts so empfunden habe... das man eine Verbindung bekommt. Es gibt absolut keine Hindernisse.
Mehr als das…
Es ist ... es ist eine vergängliche Sache.
Aber mehr als das. Es gibt keine Hindernisse und so etwas. Gibt es Momente, wo Sie das Gefühl haben, das nichts schief gehen kann? In der Art, das, was immer ich tue, es wird einfach richtig sein?
Hmm... ja, gibt es. Ich hüte mich vor solchen Momenten.
Sie hüten sich vor solchen Momenten?
Ja, weil man dann dazu neigt, das... möglicherweise ist das ein Defizit oder so etwas. Ich denke, es ist eine Einbildung, zu glauben, das nichts schief gehen kann. Alles kann auf der Bühne schief gehen, in jedem Augenblick.
Aber nein, es ist ein Zustand, es ist die Überzeugung eines Augenblicks.
Ja, aber er hat keinen Bestand über die Länge eines Auftritts.
Sie wissen, im Sport gibt es, wie man so sagt, Momente, da ist man in dem Bereich…
In dem Bereich, ja. Ich habe das flüchtig empfunden…
Und Sie wollen es nicht bezeichnen als…
einen Zustand der Gnade...? Nein, ich würde es als Zustand der Vereinigung mit dem Publikum bezeichnen und das ist es, wonach man sucht, Yaar. Sie wissen, das von den Schauspielern Grotowski’s behauptet wird, das sie im Begriff sind, frei zu schweben… Vielleicht. Aber ich finde es schwierig, mir diese Art Zustand vorzustellen und das ist meine Meinung, und ich habe außerdem eine gegenläufige Meinung zu Grotowski gelesen, das es gar nicht so großartig war. Also weiß man nicht, was man glauben soll. Ich habe seine Arbeit nie gesehen, und dann, je nachdem in welche Richtung er gegangen ist, wirst du auch dahin mitgenommen, seine Definition vom idealen Theater war ein Schauspieler ein Zuschauer… was an und für sich eine gute Sache ist, ke bhai, das was du sagt, ist das was ich höre und das was ich sage, ist das, was du hörst. Das ist Theater. Dann wird es so, das Schauspieler und Zuschauer eins werden. Die Rollen sind austauschbar - am Anfang war es so, dann wird es zu einem. Und dann beginnt er nach dem grundlegenden Status und den grundlegenden Geräuschen zu suchen, und diesem ganzen Zeug, von dem ich nicht denke, das es zu irgendetwas führt. Ich habe zufällig zur damaligen Zeit mit ihm gearbeitet. Auf dieser Ursprungsstufe sind wir im Dschungel gelandet.
Sie waren sechs Monate mit ihm zusammen...?
Nein, ich war nicht sechs Monate dort, ich bin dort ausgestiegen, ich hatte das Gefühl... ich dachte, ich würde verrückt werden. Ich war ungefähr drei Wochen mit ihm zusammen... ja, es war… hirnrissig.
Ja?
Rituale. Ritual auf Ritual, wissen Sie, und es ist nicht vorgesehen, das man miteinander spricht, es ist nicht vorgesehen, das man sich in das hineindenkt, was da passiert, es ist nicht vorgesehen, etwas in Frage zu stellen, es ist nicht vorgesehen, es untereinander zu diskutieren, es ist nicht vorgesehen, darüber zu schreiben. Es ist nicht vorgesehen, das man jemals irgendjemanden in seinem Leben etwas davon erzählt.
Als haben Sie… irgendjemanden etwas darüber erzählt?
Hmmm... Ich habe nicht alles erzählt. Es war unheimlich. Es… es war ein verdammter Kult, der dort vorging und dieses verfluchte Jamestown und ich habe keine Ahnung, was ich zu dieser Zeit gedacht habe, Yaar, und ich hatte das Gefühl, das all diese Leute in den Fluss springen würden, wenn er ihnen das sagen würde, alle zusammen. Und er war zu diesem schwer definierbaren, rätselhaften, kaum sichtbaren Menschen geworden, wo einem, wenn man nach ihm gefragt hat, gesagt wurde (imitiert ein höfliches und mysteriöses Lächeln) ‚Werde ich Grot morgen treffen?’ (imitiert das selbe Lächeln noch einmal) ‚Vielleicht, vielleicht nicht’. (Beide lachen) Dann kam Grot Sahib, er hat uns einiges erzählt und dann sagte er, ’Geht alle in den Dschungel, dort gibt es unsere Trainer, geht und arbeitet mit ihnen zusammen. Also haben wir uns im Dschungel einen Namen verdient (lacht), wenn man es so sagen möchte, all die Trainer von ihm… Ich habe kein besseres Material, Rohmaterial als diese Schauspieler gesehen. Alle zusammen, wissen Sie, groß, stark, fit wie verdammte Turnschuhe, mit strahlenden Augen, verstehen Sie, gesund… und die alle haben diesen Scheiß im Wald gemacht, Yaar. Ich denke nicht, das irgendeiner von ihnen jemals sein Handwerk betrieben hat.
Wissen Sie, ich hingegen glaube an die Möglichkeit dieses Zustands der Gnade. Und ich bin neidisch, das es nur durch eine Art körperliche Aktivität abrufbar ist, wie ich denke. Ob man Sportler ist oder Schauspieler auf einer Bühne. Ich denke nicht, das ein Filmschauspieler das erlebt. Ich möchte diesen Zustand finden , zum Beispiel, schwarz auf weiß für mich selbst, aber es… Ich kenne den Weg nicht, um das zu bewerkstelligen. Oder welches die Disziplin ist, um nur in die Nähe davon zu kommen, außer weiter zu schreiben.
Also müssen Schauspieler und Zuschauer eins sein…
Ich denke, Schauspieler haben das — besonders auf der Bühne haben sie die Möglichkeit. Vielleicht passiert es nur einmal im Leben oder einmal im Jahr oder was immer, aber die haben die Möglichkeit, wie ein Sportler, diesen Zustand zu erleben.
Ihre Arbeit ist dem zuträglich.
Ja, richtig, weil…
Man muss vereinnahmend sein.
Ja, genau.
Die Schauspieler sind medial — das hat man schon immer gesagt, und sie treten in die Seele ein und all so etwas, ich glaube nicht an all diese Dinge, aber man bekommt bestimmt ein Gefühl, welches dem sehr nahe kommt, ich kann nicht definieren, wie dieser Zustand ist.
Ja, es kann einen irgendwohin mitnehmen...
Aber ich fühle mich sehr gesegnet, ein Schauspieler zu sein und in der Lage zu sein, diese Arbeit zu tun.
Die Sie immer weniger gern machen...
Das Spielen in Filmen beginne ich abzulehnen. Aber die Bühne gibt mir nach wie vor einen gewaltigen Kick. Und die Arbeit mit den Schauspielern gibt mir einen enormen Kick. Deshalb habe ich sehr viel Spaß beim Regieführen. Ich führte bei vier Stücken Regie und hatte wirklich viel Spaß dabei. Ich denke, ich bin in der Lage, Schauspielern zu helfen, dahin zu kommen das... wie soll ich es nennen... ich denke, ich bin in der Lage Schauspielern zu helfen, das Beste aus sich herauszuholen, weil ich Schauspieler liebe und weil ich das Schauspiel liebe und nur einige wenige Dinge, die Schauspieler tun, bringen mich aus der Fassung, allerdings kann ich erkennen, das dies Unvernunft ist, weil ich weiß, das ich es selbst durchgemacht habe.
Richtig. Daher sind Sie im Stande, ihnen viel Mitgefühl entgegenzubringen.
[Naseer lacht.]
Aber warum schwindet Ihr Interesse am Schauspiel in Filmen?
Man verbringt die Hälfte seines Lebens mit Warten. Man arbeiten in einem verfluchten Elfenbeinturm. Man sitzt in seiner Kabine , man kommt heraus, macht seine Aufnahme und geht zurück in seine Kabine.
Aber das müssen Sie doch nicht, Sie müssen doch nicht in Ihrem Van sitzen.
Ja, man muss das nicht. Aber man hat es auch deshalb versucht, weil man manchmal das Gefühl hatte, im Weg zu sein, man hat das Gefühl, nicht erwünscht zu sein.
Ja und die Leute sind höflich...
Ja, die Leute sind höflich… na und... es ist in Ordnung.
Also was, das Warten nimmt Ihnen die Lust?
Das Warten, das stückchenweise Arbeiten…
Nach 30, 40 Jahren, ich dachte es würde…
Ich bin davon gelangweilt.
Ja?
Ich würde es heute jeden Tag vorziehen, eine Theateraufführung zu machen. Wenn ich könnte, würde ich nur Theater machen. Ich würde keine Filme mehr machen... nicht mehr. Und das ist eine sehr schwere Arbeit yaar. Filme produzieren ist sowieso ein kompliziertes Thema, wie sie das nur schaffen, versteh ich gar nicht.
Aber sagen Sie mir, wieso ist das Spielen in Filmen schwierig oder warum sagen Sie, das es schwierig ist?
Weil man nicht vortäuschen kann. Das denke ich. Es ist viel anstrengender, weil man die ganze Zeit am Ball bleiben muss, von dem Moment an, wo man auf dem Set ankommt. Es sei denn man ist, ich möchte den Begriff ‘involviert’ in dem Zusammenhang nicht verwenden, aber immerzu und nach allen Seiten am Ball, denn es ist erstaunlich, wie die Kamera eine ...Vortäuschung einfangen kann. Deshalb glaube ich sehr stark daran, und vielleicht ist das der Grund, warum ich bei der Schauspielerei so pingelig bin, wenn ich sie auf der Leinwand sehe, denn irgendeine, auch die geringste Spur von Vortäuschung, vergrault mich. Und die Kamera erwischt es. Aber im Theater kommst du damit durch.
Also sagen Sie, wenn Sie in einem Film arbeiten, dann sind Sie die ganze Zeit in Ihrer Rolle? Wenn Sie auf dem Set ankommen… sind Sie irgendwie mit Ihrer Rolle beschäftigt?
Ja.
Ja?
Ja… den Zustand, in den ich mich versetzen soll, versuche ich zu erreichen, wirklich zu erreichen, so das, wenn der Regisseur ‚Action’ ruft, ich nicht denken muss “Uh! Es geht los!”, wissen Sie. Man ist bereits in dem Zustand und ich denke, das ist die Art und Weise, wie es zu handhaben ist. Es mag Abkürzungen geben. Ich weiß es nicht. Das ist bisher Spaß gewesen, jetzt wird es zu anstrengend. Ich kann damit nicht umgehen.
Aber es gibt andere Schauspieler… und ich möchte wirklich mit Ihnen darüber reden. Es gibt andere Schauspieler, die ich kenne und sehr gern habe, zum Beispiel Ranvir, der mit einem immensen Instinkt agiert. Deshalb wird er bevor die Aufnahme anfängt total chaotisch sein, er wird unleidlich sein, oder was auch immer, er wird dies sein, er wird das sein. Aber in dem Moment, wo die Kamera läuft, hat er seine fünf Sinne beisammen. Daher sage ich, das ist das genaue Gegenteil von…
Das mag seine Art sein. Aber woher wollen Sie wissen, das er nicht die Aufnahme im Kopf hat und das alles … die ganze Zeit? Vielleicht ist das, was immer er tut, das Ergebnis seiner Bemühungen, sich in die Szene zu versetzen? Weil ich nicht denke, das man einfach, ‘Peng!’ sich hineinversetzen kann, ohne irgendeine Vorbereitung. Man braucht die Vorbereitung.
Und wie wichtig ist Ihnen das Äußere?
Es hat an Bedeutung zugenommen, seit ich älter geworden bin. Und ich habe begriffen, das es einer der größten Fehler war, die ich während der Arbeit in kommerziellen Filmen gemacht habe, dem Äußeren keine Aufmerksamkeit zu schenken. Dem Beiwerk keine Aufmerksamkeit zu schenken. Der ganzen Aufmachung. Ich dachte, ‘Sch... drauf’! Brando trägt zerbröselte Mäntel, De Niro trägt schmutzige Klamotten. Es funktioniert so nicht. Diese ganzen zerbröselten Mäntel und schmutzigen Klamotten waren offensichtlich sehr sorgfältig ausgetüftelt, um authentisch und gleichzeitig attraktiv auszusehen, das ist das, wo ich als kommerzieller Schauspieler scheiterte. Ebenfalls habe ich nicht gelernt, wie man richtig Lieder singt. Ich konnte das einfach nie machen. Und drittens konnte ich einfach die Art Situationen nicht nachempfinden, die man spielen muss. Jedes Mal, in jedem verflixten Film den ich gemacht habe, musste ich eine Szene spielen, wo ich brüllen musste… aus keinem vernünftigen Grund. Warum, weil es gut aussieht, wenn man schimpft (lacht).
Aber es geht um die Überzeugung, nicht? Es geht um die Überzeugung in dieser gehaltlosen Situation.
Ja, das finde ich schwer. Ich finde es schwierig, in einen Dialog wie ‘agar aaj teri maa hoti...’, eine Überzeugung einzuimpfen, wissen Sie, ich kann das nicht.
Und ich denke… vielleicht aus dem selben Grund, ist Mr. Bachchan ein großartiger Schauspieler...
Er ist in der Lage, das zu tun...
Weil er kontinuierlich fähig ist, über schlechte Drehbücher hinauszuwachsen.
Richtig. Es wäre sehr interessant, ihn in einem Stück über das wirkliche Leben zu sehen. Ich habe so ein Gefühl, das er dazu nicht fähig wäre.
Obwohl er es getan hat… äh… in “Anand”. Er ist wundervoll darin.
Das ist… das ist, als er noch ein echter Mensch war.
Er war wundervoll…
Wundervoll. Er war damals ein echter Mensch. „Anand“, „Abhimaan“,“ Namak Haraam“. In einem Film spielte er einen Verbrecher mit Navin Nischal…
“Parwaana”...
Ja. Als er noch nicht diesen gefertigten Haarschnitt hatte und so... sie wissen das… und er sah echt aus. Er sah aus wie ein Mensch. Deshalb war er echt. Jetzt ist er nicht länger ein Mensch. Er glaubt nicht mehr an sich selbst als Mensch. Und ich glaube nicht mehr an mich als Superheld. Daher vermute ich, haben wir dasselbe Problem an verschiedenen Enden des Spektrums. Der Elan und die Überzeugung mit der er diese Dialoge abgab… war wirklich verblüffend.
Ich meine, wie viele Filme, und wie viele schlechte Drehbücher...?
Ja. Er war ein Schauspieler, der sich über den Film erhob. Es war…
Die ganze Zeit. Das ist ziemlich unvorstellbar…
Ziemlich.
Ich denke nicht, das irgendjemand anderes das geschafft hat. Aber Sie sprachen über Henry Fonda und James Stewart. Wer waren zu dieser Zeit die Schauspieler von der indischen Leinwand?
Zu erst einmal sind die Größten aus Hollywood meiner Meinung nach Charles Laughton, Spencer Tracy. Das waren die Leute, die ich als Schauspieler zuerst sah. Weil wir in der Schule verdammt viele Filme gesehen haben. Wir haben alles gesehen, angefangen von “Mickey Mouse“ bis zu „Citizen Kane“. Und ich sagte... verdammt langweilige Filme, die sie uns zeigten,... Aber gelegentlich zeigten sie uns einen verflixten Roy Rogers oder ein paar Kriegsfilme und solches Zeug, und die Auswahl der Filme war gigantisch. Wenn ich daran zurückdenke, wer auch immer diese Filme ausgewählt hat, der kannte seine Filme wirklich gut. Und dabei sah ich Spencer Tracy. Ich sagte, ’Sch...’! Dieser Typ sieht so echt aus. Weil vor ihm war es Gary Cooper, Clark Gable und sie wissen schon, alle diese Typen, bei denen ich das sagte... Diese Typen sind nicht echt. Das sind fotographische Tricks, das hatte ich im Gefühl. Bis ich Spencer Tracy sah, mit dem Schweiß unter seinen Armen, und Bartstoppeln und… als er den Fisch schleppte, sah er echt aus, als er das Boot ruderte, sah er echt aus und er erinnerte mich an meinen eigenen Großvater und ich sagte, ‚Wow, dieser Kerl ist also Schauspieler, Yaar. So kann auch ein Schauspieler sein. Und dann Charles Laughton, dann Anthony Quinn. Paul Muni hatte ich gesehen, aber ich hatte ihn oder Brando, einige der andere Größen dieser Zeit, nicht erkannt. John Wayne liebte ich. Aber ich wusste, ich konnte kein verflixter John Wayne sein, also...
Aber zu dieser Zeit wussten Sie schon, das Sie Schauspieler werden wollten, in der Schule..?
Ich hatte das damals entschieden, ich war so ungefähr 13 oder 14, ich hatte nie auf einer Bühne gespielt. Ich spielte zum ersten Mal auf einer Bühne, als ich 14 Jahre alt war und das hat für mich den endgültigen Ausschlag gegeben. Die Vermutung, das ich das Zeug dazu hatte, Schauspieler zu werden. Ja, das war einfach verblüffend.
Welches Stück war das?
Das war der “Merchant Of Venice”. Szenen aus dem “Merchant Of Venice”. Und der andere Mensch, der mich außerordentlich beeinflusst hat ist Geoffrey Kendall, der ‚Shakespearana’ gemacht hat, seine Stücke haben wir jedes Jahr gesehen. Ihn betrachte ich immer noch als den größten Schauspieler, den ich je gesehen habe, und äh, und ich traf ihn. Er spielte in “Junoon” — in einer kleinen Rolle. Also traf ich ihn letztendlich und schüttelte ihm die Hände und als ich... und er wurde furchtbar verlegen... als ich anfing ihm zu sagen, sie wissen schon, das ich dachte, er wäre dieser… und er sagte, ‚Sei still’…
(Rajat lacht.)
(Lacht) …und ich sagte, ‚Haben Sie nicht das Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben, das Sie nicht in England geblieben sind und ein verflixter Ritter oder ein Lord, ein Herzog oder weiß ich was geworden sind. Weil Sie besser sind, als all die Typen zusammen’ und er sagte, ‚Ich bin kein Schauspieler, ich bin ein Missionär. Meine Mission ist es, Shakespeare zu verbreiten’. Er hat das sehr gut formuliert und das verdeutlichte mir sein ganzes Leben. Ihr ganzes Leben lang haben sie nicht einen einzigen kommerziellen Auftritt gemacht — sie waren eine Truppe Darsteller, einschließlich ihrer Töchter Jennifer und Felicity, Shashi für eine Zeit lang, und ‚Shakespearana’ reiste durch Asien, trat in Schulen und Hochschulen auf. Ja...damals hat es uns fünfzig Paisa gekostet als ‘Shakespearana’ aufgeführt wurde und das war das, was sie wahrscheinlich von der Schule bekamen … Die Kendalls hatten kein zu Hause, wussten Sie das? Ja. Sie lebten entweder mit Jennifer hier, oder mit Felicity in London. Das ganze Leben hindurch, im Alter von achtzig Jahren ist Laura gestorben, und dann ist der große Herr krank geworden und danach trat er nicht mehr auf. Aber ich habe ihren letzten Auftritt gesehen, „Dear Liar“ im Prithvi. Und während ich “Dear Liar“ angesehen habe, erkannte ich in der Tat, was an diesem Mann so großartig ist. Das er niemals auf den Putz haut — er ist völlig auf den Text bedacht. Er verehrt den Text. Dieser Gedanke kam mir in den Sinn. Und ich erinnerte mich an die Stücke, die er für uns in der Schule zeigte, bei denen er als Shylock kam, eine Szene von Shylock spielte, er verschwand und kam als Hamlet zurück… er ging raus und kam als King Lear zurück, er kam auch als Malvolio wieder heraus... und ich sagte nur “Wow”. Das ist einfach zu schön, ich kann es nicht glauben, aber niemals... und wir haben ihn hier bei uns wieder damit erlebt... nicht für eine Minute hat man das Gefühl, das er sein Gepäck zur Schau stellt. Weil es immer der Text war, den er mit einer ganzen Menge Freude herüber brachte. Und daher ist Kendall Sahib mein..., er ist mein Gott.
Ja…
Ja... Und alles, was ich tun musste, als ich endlich mit ihm spielte, war, auf ihn zu zugehen und ihn umzubringen.
Oh Mann…
Ja. Lustig. Das ist das Leben (lacht).
In der Kirche... die Kirchenszene...
Ja, in der Kirche. Also, Spencer Tracy und Kendall.
Und auf der indischen Leinwand?
Ich schaute nie auf die indische Leinwand… Die einzigen Hindifilme, die mein Vater sah, waren Filme mit Dilip Kumar. Uns wurde es verboten, Hindifilme zu sehen. Wir sahen in der Schule nie welche. Aber ich hörte diesen Namen Dilip Kumar, Dilip Kumar, Dilip Kumar überhaupt seit ich sehr klein war, weil er dieser total bedeutende Schauspieler war. Ich sah seine Filme, ich muss so vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, als ich seine Filme sah. Ich denke nicht, dass er auf mich einen allzu großen Eindruck gemacht hat, aber es war überall eine Abhängigkeit da; jeder sagte, ’Wah wah, wah wah Dilip Sahib, Dilip Kumar. Es gab keinen Hindischauspieler, der mich faszinierte. Ich habe nicht allzu viele gesehen. Ich war, warum auch immer, von Sheikh Mukhtar fasziniert (lacht) und später von Dara Singh und Shammi Kapoor. Ja, das waren die drei Schauspieler auf der indischen Leinwand. Und Mehmood.
Ja, aber nicht Balraj Sahni?
Nicht Balraj Sahni... noch immer nicht.
So?
Er war ein sehr berechenbarer Schauspieler. Er ging nie Risiken ein. Er ging auf Nummer Sicher. Er hat Film für Film den selben verflixten Kram gemacht. Warum hat er nie einen Verbrecher gespielt, das verstehe ich nicht. Er wäre ein fantastischer Verbrecher gewesen.
Das ist etwas, was Sie geschafft haben, nicht?
Ja, das denke ich. Aber nein. Die einzigen Leistungen, mit der er mich verblüffte, war “Kabuliwalah“ und „Do Bigha Zameen“. Das waren zwei großartige Darstellungen — die eigentlich verdammt gut waren. Das kann man nicht über allzu viele Schauspieler sagen.
Ich erinnere mich an diesen Song, den ich vor langer Zeit gesehen habe. ‚Ae mere...
Mere pyare watan’.
Ich war so gerührt. Ich sah es aus dem Zusammenhang gerissen, im Fernsehen, der Song wurde gespielt und er saß einfach nur da und schaukelte auf seinen Hüften… Wow! Es war einfach so bewegend. Natürlich, der Song selbst, und das alles, aber auch sein Gesicht!
Vielleicht bin ich hart gegenüber Mr. Balraj Sahni. Aber er hat mich nie begeistert. Ich gestehe ihm zu, .. ich meine Sahni Sahib war ein sehr großartiger Schauspieler...Ich versuche überhaupt nicht über ihn herzuziehen. Sein Beitrag und die Filme, die er förderte, wie “Garam Coat“ und wie „Do Bigha Zameen“ usw. und später „Garam Hawa“ und so. Bestimmt glaubwürdig. Aber als Schauspieler hat er mich nie auf die Art begeistert, äh, wie beispielsweise Shammi Kapoor.
So... in welchen Filmen? In allen?
“Dil Deke Dekho“, „Tumsa Nahin Dekha…“
[Rajat lacht.]
Ja, ja, die alle — “Teesri Manzil”... Weil ich das Gefühl hatte, das ich das nicht geschafft hätte.
Ja, genau...
Ja (lacht). Ja, Dilip Kumar Sahib habe ich gesehen und habe gedacht, okay, ist dieses Weinen schwierig...das kriege ich auch hin.
[Rajat lacht.]
Shammi Kapoor habe ich gesehen und Dara Sing habe ich gesehen, doch da dachte ich, nein, das schaffe ich nicht. (lacht). Und warum mir Sheikh Mukhtaar so gefallen hat, weiß ich nicht... vielleicht deshalb, weil er häßlich war und ich bin davon besessen, Sie wissen schon, das ich nicht... Ich sehe nicht aus wie Clark Gable, also wie kann ich Schauspieler werden? Ich sehe nicht wie Shammi Kapoor aus. Deshalb wirkte Sheikh Mukhtaar auf mich und dann... Peter O’Toole.
Den Sie nachahmten.
Den ich nachahmte. Ich imitierte all diese Leute. Ich imitierte Mr. Kendall mindestens 10 Jahre meines Lebens — auf der Bühne, ich machte nichts anderes, als Mr. Kendall zu imitieren.
Aber das waren die ganz frühen Jahre. Von Ihnen erwartet man irgendwie, das Sie Ihre Einflüsse übertrumpfen…
Ja, genau. Ich bin sicher, ein junger Kricketspieler, der Sachin beobachtet, wird versuchen, die Art, wie Sachin spielt, oder die Art, wie er steht, oder die Art, wie er verteidigt oder die Art wie er seine Stellung bezieht, die Art, wie er seinen Schläger hält zu imitieren...
Sie wissen, ich glaube daran, das in der Kunst die ganzen Bemühungen darauf hinaus laufen, seine eigene Stimme zu finden. Und dafür braucht man Jahre...
Ja, das kostet Jahre... Ich denke, ich bin dem näher gekommen, durchaus, ja, endlich.
Ihre eigene Stimme zu finden?
Als Geschichtenerzähler.
Ich wollte das ansprechen. Ich erinnere mich an das Jahr ’92-’93, als Sie “Julius Caesar” gemacht haben, Ich erinnere mich, das ich Sie irgendwo bei einer Theaterprobe eines Stückes traf und sie haben gesagt, ‚Dieses Mal möchte ich einen Hit bringen. Ich möchte, das die Leute kommen und dieses Stück anschauen’.
Einen Hit, ja. Und niemand kam.
Ja, niemand kam. Und nach weiteren 10 Jahren, haben Sie “Ismat Apa” gemacht und die Leute kommen in Scharen... und dann erkannte ich, ich stellte nicht sofort eine Verbindung her, erst als es mit jemand erzählte… das es das erste Mal ist, das Sie in einem Hindistück Regie führten. Und plötzlich ergab es einen Sinn.
Ja. Ja, und ich habe mich einen Teufel darum geschert, ob das Publikum kommen wird oder nicht. Sogar Ratna sagte so etwas, “Warum tust du das, wer wird das verstehen?” Sie änderte ihre Meinung komplett. Als sie es las… wir haben über sechs Monate dafür geprobt, ich mag die vielen Proben... weil Proben für mich eine große Freude sind. Es ist immer eine Entdeckung - immer eine Entdeckung. Proben sind für mich keine strenge Ausbildung, es ist großer Spaß, ich liebe es… und sie änderte während der Proben ihre Meinung. Weil sie selbst die Worte zu verstehen begann und da haben wir es. Also vermute ich, man muss… und ich denke wirklich, das die “Ismat” Geschichten meine eigene Stimme sind, weil es mein Milieu ist. Da komme ich her, da gehöre ich hin. Jede Rolle in ihren Geschichten kann ich vor mir sehen — sie sind Leute aus meiner eigenen Familie. Also habe ich mit “Ismat” und mit “Daastangoi” denke ich, letztlich gefunden, was ich für den Rest meines Lebens machen möchte, weil ich außerdem lerne. Ich hatte schon immer das Verlangen Urdu zu lernen und etwas Farsi. Und jetzt geschieht das. Das ist toll.
Aber es ist so lustig, das Sie mit „Ismat” nicht nur Ihr Milieu gefunden haben, sondern das Publikum auch in der Lage war, sich irgendwie mit diesen Storys als unseren eigenen Storys zu identifizieren, irgendwie als unseren gemeinsamen Erfahrungen.
Ich denke, das ist ein Beleg für die Qualität der Dichtung. Niemals im Leben habe ich eine so schöne Dichtung wie in „Ismat” erlebt.
(Lange Pause) Und werden Sie einen weiteren Film machen oder nicht?
Ich denke nicht. Es ist einfach zu schwierig, Yaar. Ich denke nicht im Sinne von Profilen. Und das Problem ist es, den Text in Handlung zu verwandeln. Ich denke eher darüber nach, was die Charaktere antreibt, als an das Profil. Es ist lustiger für mich, zu entdecken, was in diesen Leuten vorgeht, was auf ein großes Profil hinauslaufen kann, oder auch nicht. Daher denke ich, bin ich kein guter Filmemacher.
Aber Sie werden es wieder tun?
Es noch mal versuchen? Das verletzt einen wirklich, wissen Sie. Wenn ich zurück denke, das ich einen echt unfähigen Film gemacht habe, dann tut das wirklich weh. Deshalb wäre ich nicht überrascht, wenn ich es, bevor ich sterbe, noch einmal versuchen würde. Aber ich werde dieses Mal viel sicherer sein.
Edit: Ich danke hiermit ganz herzlich meiner Hindi-Lehrerin Sunita Bhatia für die Hilfe bei den teilweise recht umfangreichen Hindi – Passagen. Sunita, du bist ein Schatz
Und auch vielen Dank an Pyaari für das Auffinden solcher kleinen (
) Diamanten - es hat mir wiedermal einen Riesenspaß gemacht. Obwohl ich es eher als ein experimentelles Gespräch, denn als ein Interview betrachte. Mehr von der Sorte - Bitte!
Quelle©mansworldindia.com
Freie Übersetzung ©2009 Bollywoodsbest by Cat12
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