Blickwinkel mit Realitätsverlust ...

TomTom
Immer mehr Westeuropäer schauen sich heutzutage Bollywoodfilme an und verfallen wahrhaftig in den Glauben, das Indien tatsächlich ein Land ist, wo alle mit farbigen Kleidern herumlaufen, den ganzen Tag lachen, singen, tanzen und auch sonst recht unbekümmert ihren Lebensalltag bewältigen.



Nun ... die Realität könnte kontrastreicher wirklich nicht sein, denn ein Großteil der ca. 1,1 Milliarden Menschen in Indien leben in winzigen Lehmhütten und die Straßen sind belebt von Verkrüppelten, Todkranken und Bettelnden. Doch genau hier fängt sich in Indien die Beliebtheit des Genres Bollywood an selbst zu erklären. Für 3 Stunden einmal der Wahrheit entfliehen, sich in einer heilen Welt fühlen wie die Schauspieler, ohne Krankheit, Armut, Kinderarbeit und Depression, als hätte man es selbst auch geschafft.

In den westlichen Industrienationen ist es ganz ähnlich. Auch hier möchten die Menschen zumindest für die Dauer des Films ihrer eigenen Realität entfliehen und für 3 Stunden eine schöne farbenprächtige Welt, mit viel Liebe, Schönheit und Jugend sehen ... und vor allem einem Happy End. Und das Genre Bollywood würde nicht so heißen, wenn nicht genau diese Erwartungen bedient würden und unzählige Komplikationen, Hindernisse, Missverständnisse und Launen des Schicksals in einem Film verhindern, dass sich das Happy End auch nur für weniger als zwei Minuten vor Ende des dreieinhalb-Stunden-Spektakels einstellt.

Bollywood macht einfach nur glücklich, es gibt fast immer ein Happy End, fast immer einen traumhaften Hauptdarsteller und natürlich eine traumhafte Hauptdarstellerin.
Und um dieses Genre auch weiterhin so zu bedienen, gibt es sicherlich auch weiterhin immer wieder eine Liebesgeschichte.

Wie auch immer. Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, das sich sowohl Inder als auch andere Weltenbürger von solchen Bollywoodfilmen „glücklich machen lassen“ ... da möchte ich nicht missverstanden werden. Wenn es diese Bedürfnisse nicht gäbe, gäbe es wahrscheinlich auch das Genre Bollywood nicht.
Nur fehlt nach meiner Einschätzung das Bewusstsein des Zuschauers dafür, dass das wahre Leben in Indien eben ein anderes ist, als das in den Filmen ... und genau hier ist die indische Filmindustrie angesprochen.

Warum werden nicht mehr Filme gefördert wie die von Deepa Mehta, die ebenso in wunderschönen wie kritischen Bildern auf die Probleme des Landes aufmerksam zu machen vermag?
Ich denke das es wichtig ist, neben der romantischen heilen Welt auch darauf aufmerksam zu machen, das es immer noch Kastensysteme, Zwangsehen, unzählige Verkrüppelte, Kinderarbeit und vor allem kein Sozialsystem in Indien gibt.
Es ist an der Zeit, das die Bollywood-Filmindustrie beginnt, wesentlich mehr Sozialkritik zu üben, der Realität „Armut“ mehr Freiraum in ihren Filmen lässt und diese auch besonders thematisiert. Es ist nun mal kontraproduktiv, einer sicherlich armen Bevölkerung permanent den Reichtum und die Glückseligkeit der „Schönen und Reichen“ zu präsentieren in der Hoffnung, das diese bis zum jüngsten Tag sich damit zufrieden gibt, mal 3 Stunden durch einen solchen Film ihrer Realität entzogen zu werden. Zudem vermittelt es auch den Eindruck, des es entweder nur sehr Reiche, oder eben nur sehr Arme gibt ...ob das so richtig ist?

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Bollywood_Natta
Ich hab den Artikel gelesen darüber wie es in Indien wirklich ist und wie die Bollywood-Filme dargestellt werden. Ich hab da eine Frage. Shahrukh und alle sind doch auch in Indien geboren. Waren sie eigentlich von vornerein so reich, oder haben sie einfach in einer besseren Gegend oder so gelebt? Wo kommen denn die ganzen Schauspieler her? Führt das auf ihre Familie zurück oder wie kommt das, dass sie beispielsweise Geld für eine Ausbildung haben oder dafür das sie auf Universitäten und so gehen konnten?! Außerdem wollte ich da noch wissen ob eig viele Inder überhaupt die Möglichkeit haben die Bollywood-Filme zu sehen. Ich kann mir vorstellen sie waren erst für Indien bestimmt, aber ich kann mir nicht vorstellen das da jemand einen Fernseher oder soetwas hat. Ich versteh da vieles nicht so.
Kann mir das jemand beantworten? Können ja mal drüber reden!
smilie Würde mich darüber freuen!
maya
Shahrukh kommt aus Dehli und so wie er selbst sagt aus einer Mittelstandsschicht. Sein Vater war Freiheitkämpfer und seine Mutter Sozialarbeiterin. Reich war die Familie nicht, so hat die schwere Erkrankung des Vaters die Familie an den finazielle Ruin gebracht. Shahrukh hat sich hochgearbeitet zuerst mit Fernsehserien und ab 92 mit Filmen.

Akshay stammt aus ärmlichen Verhältnissen. In einem Interview hat er mal gesagt er sein in einer 2 Zimmer Wohnung mit 18 Personen aufgewachsen. Sein Vorliebe und Ergeiz zum Sport hat ihm zum Karater Lehrer gemacht und einer seiner Schüler hat ihm den ersten Job als Modell vermittelt von dort ist er zum Film gekommen.

Anders die Geschwister Kapoor , Kareena und Karishma, sie stammen aus der Familie von Raj Kapoor, der schon vor 40 Jahren einer der erfolgreichsten Schauspieler war. ...............

Auf dem Land ist es wohl immer noch so das kleine Transporter mit einer aufzuspannenden Leinwand von Ort zu Ort fahren und die Filme vorführen, allerdings wächst die Anzahl der Kino im selben Maße wie die Anzahl der Internetshops. Ein Freund der gerade aus Indien zurück kam meinte es gäbe überall eine Internetcafe aber nicht immer Stromversorgung.
bollywood1978
@ Bollywood_Natta

Ja TomTom´s Beitrag regt zum Nachdenken an und er spricht mir aus der Seele. Ich befürchte nur das sich da auch in Zukunft nicht viel tun wir bedenkt man wie lange es Bollywood schon gibt. Augen rollen

Was deine Fragen angeht so kann ich mich Maya nur anschliessen.

Eines vielleicht noch.
Schaue dir doch einige Doku´s über Indien an. Die sind zum einen sehr interessant und du bekommst sehr schöne Einblicke was das "wahre" Leben in Indien angeht.

Auch über das Phänomen Bollywood wird immer wieder berichtet.

Über diesen Satz muste ich etwas schmunzeln.

Zitat:
Original von Bollywood_Natta
Ich kann mir vorstellen sie waren erst für Indien bestimmt, aber ich kann mir nicht vorstellen das da jemand einen Fernseher oder soetwas hat. Ich versteh da vieles nicht so.


Und ob sie zuerst für Indien bestimmt waren. Augenzwinkern
99% der Filme sind auf das indische Publikum zugeschnitten und wie Maya schon sagte wächst die Anzahl der Kinos rassand an.

Bis 2004 wuste ich nicht einmal das es diese Filme gibt.
Sprich der BOOM fing bei uns in Deutschland erst 2004 mit SRK an.
michaela
Zitat:
Original von TomTom
Nur fehlt nach meiner Einschätzung das Bewusstsein des Zuschauers dafür, dass das wahre Leben in Indien eben ein anderes ist, als das in den Filmen ... und genau hier ist die indische Filmindustrie angesprochen.

Warum werden nicht mehr Filme gefördert wie die von Deepa Mehta, die ebenso in wunderschönen wie kritischen Bildern auf die Probleme des Landes aufmerksam zu machen vermag?
Ich denke das es wichtig ist, neben der romantischen heilen Welt auch darauf aufmerksam zu machen, das es immer noch Kastensysteme, Zwangsehen, unzählige Verkrüppelte, Kinderarbeit und vor allem kein Sozialsystem in Indien gibt.
Es ist an der Zeit, das die Bollywood-Filmindustrie beginnt, wesentlich mehr Sozialkritik zu üben, der Realität „Armut“ mehr Freiraum in ihren Filmen lässt und diese auch besonders thematisiert. Es ist nun mal kontraproduktiv, einer sicherlich armen Bevölkerung permanent den Reichtum und die Glückseligkeit der „Schönen und Reichen“ zu präsentieren in der Hoffnung, das diese bis zum jüngsten Tag sich damit zufrieden gibt, mal 3 Stunden durch einen solchen Film ihrer Realität entzogen zu werden. Zudem vermittelt es auch den Eindruck, des es entweder nur sehr Reiche, oder eben nur sehr Arme gibt ...ob das so richtig ist?
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Nun ich denke das liegt zu Teil daran, dass die Filme in erster Linie für Inder gedreht wurden und die wissen wie es auf ihren Straßen aussieht. Ich denke nicht, dass man die unbedingt darauf aufmerksam machen muss.
Was uns nicht Inder angeht die sich diese Filme ansehen, nun ich denke es ist unsere Aufgabe sich selbst ein wenig zu informieren, wie die Realität aussieht.
Daher ist es evtl. auch nicht so verwunderlich, dass Filme wie Swades, Dil Se, VZ und Water, um nur wenige zu nennen, bei uns viel besser ankommen als in Idien selbst.
Ich denke wir hier sind uns dessen schon bewußt, dass die indische Welt eher Swades ist und nicht Kabhi Khusi Kabhi Ghum. Und wir wollen das auch wissen, wollen darüber nachdenken und vielleicht auch uns ablenken, wie es bei uns aussieht. Denn unsere Probleme kann man schnell vergessen, wenn es Länder gibt, denen es noch schlechter geht.

Natürlich regt dieser Artikel an nachzudenken...aber meine Lieblingsfilme sind nicht umsonst Swades, Dil Se und auch PBDHH...weil sie das durchschicmmern lassen, wie die Realität aussieht.
Pyaari
Das ist ja alles gut und schön, aber ich würde für meinen Teil das Pferd mal von hinten aufzäumen... Warum gucke ich mir denn keine oder nur noch wenige Hollywoodfilme an, sondern Bollywood? Weil ich keine Lust mehr auf den sozialkritischen Mist habe! Deshalb schlummert ein Film wie ,,Rang De Basanti'' immer noch ungesehen in meiner Schublade den Schlaf des weiß-ich-was! Ich möchte eigentlich gar nicht, das sich in Bollywood viel verändert, denn nun mal ehrlich, wo sind die schönen alten Zeiten hin, als es noch hieß, Filme kommen aus ,,Traumfabriken''? Das hat doch Kino in den Anfängen so anziehend gemacht. Wer sagt denn, das ich partout um jeden Preis daran interessiert sein muss, mir im Kino auch noch ein Spiegelbild meiner Realität vor die Nase halten zu lassen. Wie es in der Realität hier und anderswo aussieht, weiß ich, wenn ich mit offenen Augen durch die Welt gehe. Muss/will ich mir das nach einen langen Tag auch noch antun? NEIN! Bollywood ist für mich die letzte Bastion der ,,Traumfabriken'', auch wenn es dort schon immer genügend Filme gegeben hat, in denen zumindestens indirekt Korruption, Armut, Mißbrauch von Frauen und Kindern am Pranger standen, man muss nur genauer hinschauen und sollte seine Sinne nicht ganz an der Garderobe ablegen, wenn man heimkommt. Außerdem sollte man vermeiden, seine westlichen Maßstäbe unbedingt auf fernöstliche/asiatische Filme anwenden zu wollen. Die Problematiken mit der sich dort die Menschen beschäftigen, sind ganz andere als bei uns. Dort haben Begriffe wie z.B. Respekt und Tradition einen völlig anderen Stellenwert als bei uns. Die Kultur, der Glauben und weiß der Geier was sonst noch unterscheiden sich grundlegend von unserem Kulturraum. Das macht doch das ganze so anziehend, fremdartig, interessant und von mir aus auch exotisch und deshalb schaue ich Bollywood, wenn mir danach ist.