Jess
Regie: Sanjay Leela Bhansali
Cast: Manisha Koirala, Salman Khan, Nana Patekar, Seema Biwas, Helen, Raghudir Yadav u.a.
Inhalt
Das taubstumme Ehepaar Joseph (Nana Patekar) und Flavvy (Seema Biwas) leben in Goa am Strand und sind überglücklich über die Geburt ihrer kleinen Tochter Annie, um so mehr als sie merken, dass sie gesund ist und hören kann. Als Annies kleiner Bruder Sam hinzukommt, ist das Familienglück mit Oma Maria Ma (Helen) perfekt. Maria Ma fördert Annies Liebe zur Musik, bringt ihr Klavier spielen und singen bei. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Joseph verliert seinen Job als Seifenverkäufer, so dass Armut den Alltag beherrscht. Als auch noch Sam tödlich verunglückt, wird es im Haus der Familie stiller als stumm. Annie bildet die einzige Verbindung zur Außenwelt für Flavvy und Joseph, die nicht mehr an Gott glauben wollen.
In diese Stille bricht eines Tages der Komponist Raj (Salman Khan) ein, der sich Hals über Kopf und unwiderruflich in die erwachsene Annie (Manisha Koirala) verliebt. Sie erwidert seine Gefühle und möchte ihm gern folgen als Ehefrau und Sängerin, doch fällt es ihr schwer, ihre Eltern allein zu lassen, die gegen die Verbindung mit Raj sind.
Meine Review
Wer "Black" und den deutschen Film "Jenseits der Stille" mag, für den wird auch "Khamoshi - The Musical", Eposfilmer Sanjay Leela Bhansalis Debütfilm, ein Genuss sein.
Dass es sich lohnt, trotz bekanntem Thema auch diesen Film anzusehen, liegt zum einen an dem deutlich indischen Stempel, den Bhansali der Geschichte aufgedrückt hat durch Musik, Schauplatz und kulturell bedingte Probleme, und zum anderen an der herausragenden schauspielerischen Leistung der gesamten Besetzung.
"Khamoshi" ist im wunderschönen, sehr atmosphärisch eingefangenen Goa angesiedelt und schwelgt in Bildern von Meer, Strand und Sonnenuntergängen. Das ist auch gut so, nicht nur, weil es schön aussieht, sondern weil der Zuschauer gerade in der ersten Dreiviertelstunde des Films einiges an Schicksalsschlägen zu verkraften hat und die Bilder doch tröstlich wirken. Noch sind die Kulissen Bhansalis nicht so fulminant wie in seinen späteren Filmen, doch tragen sie auch hier bedeutend zur Entwicklung des Films bei, indem sie komplexe Schönheit und Einfachheit gleichermaßen symbolisieren.
Zu den Darsteller: Manisha Koirala und Salman Khan sind hinreißend zusammen! Wer hätte das gedacht, der Bodybuilder und die Charakterdarstellerin? Aber die Szenen, in denen sie zusammenfinden, gehören mit zu den bezauberndsten Annäherungen, die ich seit langem gesehen habe. Manisha gelingt es, beide Seiten von Annie zu zeigen, die stille, zurückgezogene, vom Leben arg in die Zange genommene junge Frau, deren Welt nur aus ihren Eltern und den beschränkten Außenkontakten besteht, und der lebhaften Musikliebhaberin, die sich nicht traut, sich auch ein eigenes Leben zu wünschen. In "Khamoshi" hat Manisha Gelegenheit, in ein paar sehr intensiven Momenten wieder mal zu zeigen, was für eine ausgezeichnete Schauspielerin sie ist.
Salman steht ihr nicht nach und vermittelt, seiner Rolle entsprechend, die Leichtigkeit und spontane Zuneigung und Hingabe an Annie spielend. Er verkörpert wirklich den Prinzen, von dem Maria Ma Annie in der Kindheit erzählt hat.
Wenn mich nicht alles täuscht, ist die junge Schauspielerin, die Annie als Kind darstellt, dieselbe glänzende Darstellerin, die Manisha auch in Dil Se in jung mimt.
In nichts nach stehen Salman und Manisha auch der unglaublich intensiv spielende Nana Patekar und die stets etwas sperrig wirkende Seema Biwas, die die schwierigen Rollen der taubstummen Eltern sehr natürlich und mitreißend lösen. Sie machen die Angst und den Trotz und die Wut spürbar, die ihnen ihre Situation abverlangt. Und auch wenn man sie manchmal schütteln will, weil sie ihrer Tochter "im Weg stehen", so bleiben sie durchweg sympathisch. Nana Patekar ist mir immer etwas unheimlich, aber es ist einfach eine Tatsache, dass er, egal ob fröhlich, entsetzt oder zornig, so viel Ausdruck im kleinen Finger besitzt, wie andere Schauspieler sich in jahrelanger Ausbildung nicht an Gesamtkörpersprache zulegen könnten.
Abgerundet wird diese konsequente Mischung aus Drama, Selbstbehauptung, Liebesgeschichte und Musikfilm durch ein extrem rührendes Ende, bei dem sicher wenige Augen trocken bleiben werden.
Khamoshi ist ein absolut lohnenswerter Film und das würdige Debüt eines der besten Regisseure Bollywoods.


