Kashara
Taare Zameen Par - Ein Stern auf Erden (2007)
Release: 21. Dezember 2007
Producer: Aamir Khan
Drehbuch und Creative Director: Amole Gupte
Regie: Aamir Khan
Music: Shankar Ehsaan Loy
Lyrics: Prasson Joshi
Cast: Darsheel Safary, Tanay Chea, Sachet Engineer, Tisca Chopra, Vipin Sharma, Aamir Khan
Songs:
Taare Zameen Par
Kholo Kholo
Bum Bum Bole
Jame Raho
Maa
Bheja Kum
Mera Jahan
Ishaan’s Theme
Story:
Der Film basiert lose auf dem Buch „Thank You Mr. Falker“ von Patricia Polacco .
Der achtjährige Ishaan Awasthi hat Schwierigkeiten zu lesen und zu schreiben. Seine Welt ist mit Wundern gefüllt, die kein anderer zu schätzen weiss; Farben, Fische, Hunde und Flugdrachen sind für die Erwachsenen nicht wichtig, die sich viel mehr für Dinge wie Hausaufgaben, Noten und Ordentlichkeit interessieren. Und Ishaan schafft nichts davon, wie sich die Erwachsenen das vorstellen. Dafür wird er immer wieder bestraft. Auch sein älterer Bruder Yohaan, der immer unter den Besten ist, kann ihm nicht helfen.
Als Ishaan ein weiteres schlechtes Zeugnis erhält und die Familie mit den Problemen nicht länger fertig wird, kommt er in ein Internat. Dort setzen sich seine Schwierigkeiten fort - zusätzlich muss er mit dem Trauma der Trennung von seiner Familie kämpfen.
Eines Tages kommt mit Ram Shankar Nikumbh, gespielt vom Aamir Khan, ein neuer Kunstlehrer in das Internat von Ishan. Nikumbh wird mit seinem charakteristischen Stil bald sehr populär unter den Schülern. Er bemerkt bald, dass Ishaan unglücklich ist und macht sich daran, die Gründe dafür zu suchen. Mit Zeit, Geduld und Fürsorge hilft er Nishaan, sich selbst zu finden.
Review:
Filme von Aamir Khan sind anders. Das gilt auch für diesen. Aamir Khan scheut sich nicht, in der ersten Stunde seines Filmes die komplette Last der Verantwortung auf die Schultern eines kleinen Jungen zu legen und seine eigene Rolle in diesem Film - so bedeutend sie ist - klein zu halten. Und zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass dieser Junge diese Verantwortung nicht tragen kann. Im Gegenteil, ich war gefesselt von der Darstellung von Darsheel Safary, der es schaffte mich in seine Welt zu entführen, und mit dem ich gelitten habe, weil die Erwachsenen ihn nicht verstehen. Tisca Chopra und Vipin Sharma als Ishaans Eltern schaffen es hervorragend, ihre Liebe und Sorge, aber vor allem ihre Überforderung mit ihrem Sohn darzustellen.
Bis zur Pause gelingt es dem Film in hohem Maße, einen in die die Welt eines „besonderen“ Kindes mitzunehmen und mit ihm an der Verständnislosigkeit und dem Unvermögen der Erwachsenen zu leiden und fast zu zerbrechen. Ganz hervorragend sind hier an verschiedenen Stellen die visuellen Effekte eingesetzt, die Ishaan’s Schwierigkeiten mit der Welt der Zahlen und Buchstaben ebenso demonstrieren, wie seine überbordende Phantasie.
Wer auf Aamir wartet, muss sich bis zur Pause gedulden, denn erst dann hat er seinen (höchst originellen) ersten Auftritt. Mit Ram Shankar Nikumbh tritt jemand auf den Plan, der Ishaan im wahrsten Sinne des Wortes „sieht“. Der aufgrund eigener Erfahrungen genau weiss wie sich der Junge fühlt und der die richtigen Mittel kennt, um Zugang zu diesem Jungen zu bekommen und ihm zu helfen, einerseits die an ihn gestellten Anforderungen zu erfüllen, aber vor allem sein erschüttertes Selbstbewusstsein zu retten.
Die darstellerische Leistung von Aamir Khan ist nicht zu hinterfragen - er spielt für mich einfach in einer anderen Liga. Sein Umgang mit den Kindern, gehandicapt, oder nicht wirkt zu keinem Zeitpunkt gespielt oder aufgesetzt. Es gibt vor allem zwei Szenen, in denen sein bemerkenswertes schauspielerisches Können deutlich wird - wenn er Ishaans handicap entdeckt und dessen Eltern einen Besuch abstattet…aber auch viele weitere Bilder im Film vermitteln seine Botschaft - nicht zuletzt an die Menschen in Indien.
Weiterhin besticht der Film für mich durch seine perfekten Bildkompositionen, seine zu Herzen gehende Aufrichtigkeit und seine Musik sowie dem Einsatz der Songs, die bis auf zwei die Handlung untermalen und jederzeit passend eingesetzt werden. Auf der website des Filmes gibt es die englischen Übersetzungen der Texte, die den effektvollen Einsatz der Songs noch mehr verdeutlichen.
Dieser Film ist gleichermaßen ein Entertainer, denn Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf, wie ein bewegender, anrührender und motivierender Film, der sicherlich zu den besten Filmen aus Bollywood gehört, die je gedreht wurden. Er ist in keiner Weise ein reiner Kinderfilm, für die die Botschaft des Filmes wahrscheinlich zu abstrakt transportiert wird, aber es ist ein Film für alle Erwachsenen, die offen für die Erlebniswelt von Kindern sind, oder es beim Sehen dieses Films wieder werden und sich an ihre eigene Kindheit zurückerinnern.
Es ist auch kein Film über Handicaps oder Behinderungen. Es ist ein Film darüber, wie wir mit unseren Kindern umgehen, welchem Druck wir sie aussetzen, damit sie lernen in unserer Welt zu überleben und darüber, was wir tun können, um unsere Kinder zu dem werden lassen zu können zu dem sie bestimmt sind.
Fazit: Unbedingt ansehen




heike925
Liebe Kashara,
wie ich es sehe, ist es deine erste Review und sie ist absolut gelungen, mach weiter so, ich freue mich auf weitere Reviews von dir. Das zum ersten.
Zweitens fange ich mal von ganz hinten an und schließe mich deinem Fazit: Unbedingt ansehen! absolut an.
Drittens: Ich habe deiner Review so einfach gar nichts hinzuzufügen außer, dass ich mit dir in allen Dingen übereinstimme. Der Film ist zu keiner Zeit langweilig oder wirkte auf mich auch in keinster Weise übertrieben angelegt, was das Anderssein des Jungen betraf. Und ja, Aamir hat es in seiner unnachahmlichen Weise geschafft, im Film eine tragende Rolle zu spielen, ohne dem Jungen seinen Raum zu nehmen. Darsheel Safary hat seine Sache wirklich hervorragend gemeistert und auch die Darstellung der Eltern war sehr gut.
michaela
Für mich ist Aamirs Intro der einzige Kritikpunkt des Films. Dass er musikalisch in Szene tritt wäre ja auch noch okay gewesen und der Song an sich war auch okay..nur dieses Clownskostüm war etwas over the top!!
Das einzig Gute daran war sein doch sehr nett anzusehender Hüftschwung.
Sehr berührend waren die Szenen, wo diese behinderten Kinder ihren Auftritt haben und die Eltern voller Stolz und Freude zusehen.
maya
Herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten Review. Sie ist gelungen und ich kann dein Lampenfieber nicht nachvollziehen
Jedenfalls freue ich mich auf deine Unterstüzung bei Yess Boss und co.
Den Film kenne ich zwar noch nicht, aber ich werde ihn mir sicher ansehen.
LG Maya
heike925
[QUOTE michaela]Für mich ist Aamirs Intro der einzige Kritikpunkt des Films. Dass er musikalisch in Szene tritt wäre ja auch noch okay gewesen und der Song an sich war auch okay..nur dieses Clownskostüm war etwas over the top!!
Das einzig Gute daran war sein doch sehr nett anzusehender Hüftschwung[/QUOTE]
Das hatte ich allerdings total verdrängt, habe aber schon beim Anschauen den gleichen Gedanken gehabt, wie du Michaela, nämlich ohne Clownskostüm hätte es der Song auch getan.
Kashara
Vielleicht sollte/wollte Aamir bzw. Ram Shankar Nikumbh sein Charakter definitiv vom ersten Eindruck her anders erscheinen als der Rest der Lehrer...das hat er durch das Clownskostüm auf jeden Fall erreicht - zu sagen: Mit mir dürft/sollt ihr Spaß und Freude haben...
Kashara
edit: Obwohl, wenn man Dieser Link wird erst nach der
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michaela
Na das hätte er aber auch ohne dieses Kostüm geschafft....allein schon seine Art, die Kids einfach mal malen zu lassen, fällt aus dem Rahmen, weil sonst alles streng reglementiert ist.
Und wenn, dann hätte es vielleicht auch nen buntes Hemd getan...bzw. dadurch dass er ja viel jünger ist und sich modisch kleidet, hebt er sich ab. Aber diesen Claon, fand ich gruselig.
michaela
Kinderstar Darsheel sagt, er sei mehr ein Star als ein Kind
Von den vielen Eltern die Taare Zameen Par gesehen haben und die wenigen die es nicht schafften die Botschaft des Films zu erfassen waren wohl diejenigen die am engsten darin verstrickt waren - Mentor Aamir Khan und die Eltern von Darsheel Safary.
Berichten zufolge hatte Darsheel am Donnerstag gesagt "er hätte als Bester Schauspieler gewählt werden sollen nicht als Bester Kinderschauspieler" bei den Sansui Awards am Samstag. "Ich bin der Held, nicht Aamir," sagte er wohl.
"Er hat das nicht gesagt, " sagt Darsheel's Mutter Sheetal Safary. "Er sagte er hätte als Bester Schauspieler gewählt werden sollen nicht als Kinderschauspieler und warum auch nicht? Er sagt, "Mama wenn ich den Juryaward nekomme warum bekomme ich dann nicht den Award als Bester Schauspieler?"
Aber Sheetal beeilt sich und sagt: "Das ist natürlich seine Aussage nicht meine, weil seine Darstellung in dem Film war gleich der von Aamir. Sie wissen wie Aamir ist, er fordert Perfektion und die hat er bekommen." Darsheel's Kommentar hat die Debate losgetreten ob ein Kinderdarsteller in der Kategorie mit Erwachsenen für ihre Darstellungen ausgezeichnet werden sollen. "Sheetal sagt: "Vergleichen sie ihn nicht mit Bachchan oder einem Shah Rukh Khan. Er war ein großartiger Schauspieler und hat eine großartige Darstellung geliefert. Diese Emotionen, mit einigen Hilfen von Aamir um die Szenen zu verstehen, kamen von ihm. So ist er im wirklichen Leben. Sollte er dafür keine Anerkennung bekommen?"
Produzent Pritish Nandy stimmt zu. "Ja das Kind hat einen Punkt. Oft ist es die Unschuld eines Kindes die nötig ist um die Faten zu präsentieren wie des Kaisers neue Klaider. Warum fangen wir nicht an Schauspieler als Schauspieler anzuerkennen und bewerten sie aufgrund der Darstellung nicht dem Alter? Wofür ist der Award? Für wie gut er gespielt hat oder wie gut er als Kind ist? Wenn es seine Darstellung war und er hat gut gespielt, dann gebt ihm den Award"
Einige Varianten klagten dass diese Aussage von den Eltern stammt. Einige andere meinen es sei ein weiterer Schuss gegen Shahrukh in Aamir Manier, der den Award als Bester Schauspieler gewann und impliziert, dass sogar das Kind es wert ist mit King Khan verglichen zu werden.
Darsheel's Klassenkameraden auf der Greenlawns School in Mumbai informierten uns , dass Darsheel seit dem Erfolg des Films zum zweiten Mal suspendiert wurde. Der Schauspieler bestätigte dies in einem kürzlichen Interview. Während Offizielle der Schule dies nicht bestätigen können leugnet Darsheel's Mutter dies. "Er hatte Augenbeschwerden und konnte deshalb nicht rausgehen," sagt sie. "Er hat diese Geschichte erfunden und den Reportern erzählt weil ich nicht dabei war und er dachte er klingt cool. Er verstand diese Dinge nicht."
Prahland Kakkar Werbeagend und Vater von Ajin, der Kinderdarsteller besser bekannt als Britannia Kid, lehtn es ab zu glauben, dass das Kind so ein Statement gegeben hat. "Es ist keine Kinderaussage. Ich habe mit Kinderdarstellern gearbeitet und sie kümmern sich um wenig. Sie wollen einfach so sein wie sie sind, so lange schlafen wie möglich, Hausaufgaben und Schule lossein und sich dreckig machen. Kein Kind das ich jemals getroffen habe würde ein solches Statement abgeben. Diese Aussagen zählen für Erwachsene nicht für Kinder." Psychologin Anjali Chhabria denkt Darsheel und seine Eltern haben den Faden verloren.
"Ich denke der Punkt des Film war, dass Awards und Darstellung nicht wichtig waren, es geht darum wie Kinder den Lernprozess geniessen und was sie daraus lernen. Kindern werden von dem Hype angesteckt und es ist an den Eltern und den Leuten die betreuen eine stabilisierende Rolle zu spielen."
Währenddessen sind Darsheel's Aussagen in der Industrie auf Empörung gestoßen. Die meisten machen Aamir dafür verantwortlich das Kind aufzubauchen um den Film zu verkaufen. Marc Robinson, zweifacher Vater sagte: "Was er sagte ist nicht ernst gemeint aber ich denke seine Eltern und seine Erziehung sind dafür verantwortlich."
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source: mailtoday.in
Übersetzung: Michaela
maya
Danke Ela für die Übersetzung.
Kinderdarsteller zu sein prägt das ganze Leben und viele Kinder imitieren alles um den Erwachsenen möglichst gleichwertig zu sein. Eigentlich kann man für Darsheel fast nur hoffen, dass dies sein letzter Film ist und er den Weg zurück findet.
Bilder sind drin.
LG Maya
Nalini
Taare Zameen Par
Der 8 oder 9 jährige Ishaan ist anders als andere Kinder. Er ist besonders, wie es jedes Kind sein sollte. Er zeigt Manirismen wie Autisten sie häufig zeigen, ist verträumt wie manches ADS Kind (insofern man hier wirklich eine Krankheit sehen mag) und hat offenbar Probleme mit dem Lesen und Schreiben. Auch das Rechnen scheint ihm nicht zu liegen und auch in der Motorik hat er Defizite. Dafür ist er unglaublich interessiert an der Natur, an Tieren und verliert sich in seiner Traumwelt und lässt andere, allenfalls durch einen Blick auf seine schönen Bilder, an seiner inneren Welt teilhaben. Seine größte Ressource ist sein Malen, seine Kunst, seine Phantasie. Seiner Umwelt, anderen Kindern, seinen Eltern, seinen Lehrern ist er zu bräsig, zu langsam, zu tollpatschig und zu unaufmerksam. Er wird, mal abgesehen von seinem Bruder, von allen unentwegt angebrüllt, herumgeschubst und oft auch ignoriert. Niemand beachtet ihn und niemand hört ihm wirklich zu. Logisch, dass er darauf auch so manches mal wütend reagiert, was natürlich wieder Maulerei und sogar Schläge nach sich zieht.
In der Regelschule ist er nicht mehr tragbar und nachdem sich die Lehrer allesamt über Ishaan beschweren, beschließt Ishaans Vater, den Jungen in ein Internat zu geben und erhofft sich damit, dass sein Sohn unter „Zucht und Ordnung“ seine „Allüren“ verliert. Der Schuss geht natürlich nach hinten los und Ishaan fristet dort sein trauriges Dasein und verliert zudem noch seine Leidenschaft für seine Kunst...... bis ein neuer Lehrer kommt.
Holla, was für ein Stoff und was hätte man daraus alles machen können? Mir als Pädagogin kämen da gleich Massen von Ideen, den Stoff ohne überspitzte Darstellung von Klischees darzustellen. Z.B. sind auch durchaus aufmerksame Eltern und sogar gute Lehrer oftmals überfragt, was die Eigenheiten mancher Kinder angeht. Sie merken z.B. sehr oft, dass etwas anders ist, können es sogar ab und an diagnostizierten und wissen dennoch nicht, wie sie neue Konzepte umsetzten können.
Das grobe Storybord finde ich sogar absolut stimmig, wenn da nur nicht das Karikatureske den Film, zumindest für halbwegs pädagogisch vorgebildete Menschen; ach was für halbwegs mit Menschenverstand ausgerüstete Menschen, nicht vermurkst hätte.
Auch wenn Sendungen, wie z.B. „Supernanny“ die Menschheit allmählich verblöden, muss ich das doch nicht auch noch in einem Bollywood Film sehen. Ich frag mich gerade ernsthaft, ob es in Indien keine Medien gibt, die Eltern zumindest auf aktuelle Entwicklungen in der Pädagogik, wie ADS oder gar Legasthenie, Diskalkulie etc. vernünftig hinweisen? Sogar die „Brennpunktmütter“ mit denen ich hier in D zu tun habe, können mit diesen Begriffen etwas anfangen. Hierzu fände ich die Meinung eines indischen Lehrers sehr interessant.
Ich jedenfalls empfinde den Film derart manipulativ, dass er mich regelrecht verärgert. Die Eltern von Ishaan müssen mehr als total ignorant und verblödet sein. Die sind sogar so doof, dass sie beispielsweise ihr Kind unangeschnallt mittig hinten sitzen lassen, während beide sich angeschnallt haben. So doof, dass sie ihren kleinen zierlichen, verletzten Sohn zur Schnecke machen, weil er angeblich einen Jungen vermöbelt hat, der anderthalb Köpfe größer und viel kräftiger ist und dabei auch noch im Wohnzimmer steht! Und dann haben sie mehrere Jahre lang nicht gemerkt, dass ihr Kind schlicht anders ist? Sind die niemals zuvor auf die Idee gekommen mal einen Lehrer zu fragen, oder einen Arzt? Oder andere Eltern? Und dass Lehrer, selbst wenn sie noch so viele Schüler haben, das für Legasthenie typische Fehlermuster 2-3 Jahre lang nicht erkannt haben, ist höchst unwahrscheinlich. Zumal es mich verwundert, dass in Indien Kinder, die nicht schreiben können sogar geprügelt werden. Ist das normal bei Lehrern? Wie werden die denn ausgebildet? Aber nun, das mag ja in Indien durchaus so sein....
Im Internat wird’s noch schlimmer. Obwohl der Direktor, selbst Vater eines Kindes mit Gehbehinderung, offen sein sollte für sonderpädagogische Themen, hat er in seinem Team auch nur 4 Karikaturen des Lehrerstandes anstatt tatsächlicher, ansatzweise normaler Lehrer. Wieder wird nur herumgeschrieen, niemand hört Ishaan zu und niemand erkennt das Muster in Ishaans Fehlern. Noch nicht einmal der Direktor, der es ja nun wirklich besser wissen sollte, aber immerhin stellt er ja den Lehrer ein, der sich auskennt.
Gegen all diese Monster von Lehrern sieht jeder halbwegs normale Mensch schon aus wie Mutter Theresa, aber der neue Lehrer (Aamir Khan) ist natürlich noch besser. Logisch, dass er gleich richtig diagnostiziert, ist er doch sonderpädagogisch vorgebildet und hat zudem auch noch klischeepraktischer Weise selbst als Kind unter Dyslexie gelitten. Aber er ist auch ein wahrer Zauberer und schafft es in knapp einem halben Jahr, mit ganz üblichen sonderpädagogischen Methoden, wie Buchstaben Kneten und Treppchenrechnen, nicht nur Ishan auf den richtigen“ Weg zu bringen, ihn zum Lernen zu motivieren; nein mit einem schnöden Malwettbewerb schafft er es sogar die bösen Lehrer in nette Menschen zu verwandeln. Und über ein Gespräch mit dem Vater, in einer Art die ich persönlich unverantwortlich finde, da jegliche Wertschätzung ausleibt, schafft er es sogar, aus äußerst merkwürdigen Eltern, liebevolle aufmerksame Eltern zu machen. Wer den Malwettbewerb gewinnt brauche ich wohl nicht zu verraten, oder?
Ach was wäre mein Job schön, wenn es doch so einfach wäre. Dann könnte ich zu ein/zwei Malwettbewerben im Jahr anregen, damit dann jedes mal glatt 20 Kinder „reparieren“, ganze Lehrerkollegien und Familiensysteme umkrempeln und nebenher noch im Zirkus auftreten. Ich bitte um Verzeihung, aber ich verdrehe mal ganz kurz meine Augen.
Während ich in OSO schon mit der einen „Traumsequenz“ zu kämpfen hatte, muss ich mich hier ausschließlich mit Traumsequenzen abmühen. Zuerst haben wir die Alptraumsequenz, dann kommt zur Intermission die psychedelische LSD- Traumsequenz, (zum Glück nur einen doofen Song lang und etwa so bescheuert, wie der „I´m Sorry“ Song von SRK in One 2 Ka 4 inszeniert) um von der „Friede, Freude, Eierkuchen“- Traumsequenz abgelöst und dann auch beendet zu werden. Alles wirkt überzogen schwarz/weiß und die Grautöne fehlen leider gänzlich. Da es wohl, wie ich in Aamirs Blog gelesen habe, ein Film für Eltern sein soll, wundert es mich sehr, dass die Eltern im Film nicht so dargestellt werden, dass sich Eltern auch damit identifizieren mögen.
Herausloben kann man in diesem Film eigentlich nur die Leistungen des jungen Schauspielers, der seine Rolle des Ishaan ausgezeichnet spielt. Auch fand ich die Sequenzen, wo Ishaan in seiner Traumwelt versinkt ausgezeichnet von Aamir Khan in Szene gesetzt und gut gefilmt, zumal es im Film etwa so rüberkommt wie das, was mir von Kindern mit Legasthenie oder Diskalkulie, hin und wieder geschildert wurde. Allerdings gibt es auch viele Kinder die dieses Empfinden völlig anders beschreiben. Amir hat seine Rolle wie immer souverän gespielt und als Kollegen hätte ich ihn gern adoptiert, keine Frage. Er agiert nämlich, mal abgesehen von der überkandidelten Gesangsnummer und kleinen pädagogischen Finessen (Augenkontakt auf Augenhöhe, Antwort des Kindes abwarten etc...) , ziemlich ähnlich wie ich. Und gerade deshalb, hätte ich mir für den Film mehr Zusammenarbeit zwischen Schüler und Lehrer gewünscht und somit eine insgesamt längere zweite Hälfte. (Daraus hätten dann auch Eltern Einiges lernen können!) Vielleicht auch die eine oder andere Sequenz, wo der Lehrer an seine Grenzen stößt, weil alle Methoden plötzlich nicht mehr funktionieren oder einen Fehler des Lehrers, der beide wieder zurückwirft etc. Das wäre absolut ausbaufähig und wesentlich realistischer gewesen.
Besonders schade finde ich, dass sich die erste Hälfte des Filmes dagegen etwas sehr in die Länge zieht, weil ich als Zuschauerin immerzu dachte: „Wann kommt Aamir denn endlich?“ Braucht der durchschnittliche Zuschauer so lange, um zu verstehen, wie es in Ishaan ausschaut? Da hab ich leider nicht den neutralen Blick.
Insgesamt ist der Film unterhaltsam, befasst sich mit einem wichtigen Thema und ist sehenswert. Wollte er nur unterhalten, bekäme er vielleicht meine 8 von 10 Punkten. Da es aber ein anspruchsvoller Film mit Lehreffekt für Eltern sein soll, reicht es mal gerade für 5 von 10 Punkten. Schade, dass so viel Potenzial verschenkt wurde.
Zur Musik kann ich nicht viel sagen, da ich den Soundtrack nicht besitze und auch mehr ein visueller Mensch bin, außer dass ich ein/zwei Lieder ganz nett fand und dass die Musik auch gut in den Film integriert war.
maya
@Nalini
Willkommen im Forum.
Vielen Dank für deine ausführliche Kritik. Ich gestehe, dass gerade das Thema eines geistig anderen Kindes mich bisher davon abgehalten hat diesen Film zu schauen. Aamir kann gar nicht anders, als ein Klischee nach dem anderen zu verwenden.
Als Pädagogin eines westlichen Industrielandes darfst du deine Kenntnisse in keiner Weise auf Indien übertragen. ADS und Autismus sind Diagnosen, die hier seit ein paar Jahren gestellt werden. ( Kanner 1953 in Österreich, Hyperaktivität seit knapp 20 Jahren).
Ich schätze, dass es in Indien diesbezüglich keine Diagnostik oder auch Therapieansätze gibt. Wenn man nun dies zu Grunde legt, ist Aamir mit seinen kleinen physiologischen Tricks ein Vorreiter und Botschafter. LDS ist in Deutschland in den 70. anerkannt worden und wenn ich heute sehe, wie eingeschränkt die Förderung immer noch ist, wie soll es da eine vernünftige Förderung in Indien geben?
Ich will deine Kritik nicht zerreißen, aber ich bin überzeugt, dass Aamir erst unterhalten wollte und dann vielleicht eine winzige Botschaft zur Behandlung der Kinder setzen wollte. Wenn er nur einen Lehrer zum Umdenken gebracht, hat ist schon viel erreicht.
LG Maya
Kashara
@Nalini
auch von mir zunächst mal vielen Dank für deine ausführliche Kritik an dem Film... aber ich denke da genau wie Maya, ich habe mir beim schreiben der Review auch überlegt, die klischeehafte Darstellung zu kritisieren - auch wenn ich keine pädagogische Vorbildung habe, ist sie mir aufgefallen - hielt es aber schlicht für zu bedenklich, hier geltende Maßstäbe an einen Film zu legen, der a) in erster Linie unterhalten soll und b) aus einem Land stammt, über dessen pädagogischen System ich viel zu wenig weiss, um mir eine Kritik daran anzumaßen.
Vor dem Hintegrund, dass dieser Film in Indien gedreht wurde und dass es dort sicher immer noch viele Eltern gibt, die selber nicht wirklich gebildet sind und deren Kinder jetzt erst die Möglichkeit erhalten, Schulen zu besuchen, verfolgt der Film sicherlich vor allem das Ziel, Kinder als solche anzuerkennen, sie so zu nehmen, wie sie sind, sie zu fördern und sie nicht vorzeitig dazu zu benutzen, mit für den Familienunterhalt zu sorgen... was vermutlich in Indien ein Novum ist. Und deshalb konnte ich nicht anders, als dem Film eine hohe Punktzahl zu geben...
Ich denke, dass der Erfolg des Filmes in Indien schon ein Indiz dafür ist, dass dieses Thema dort hochaktuell ist und die weitere Entwicklung im Hinbllick auf Diagnostik, Förderung und Therapie muss man einfach abwarten.
Kashara
maya
Ich habe es endlich geschafft und TZB zu Ende geschaut und er ist einfach langweilig.
Aamirs Erstlingswerk und das ist nicht zu übersehen.
In dem ersten Teil wird nur die Situation des kleinen Jungen beschrieben und es gibt quasi keine Handlung. Mit einer Ausführlichkeit, die keinen Sinn hat, wird sein Stadtbummel beschrieben. Schwänzen, gut und schön, Angst vor nicht gemachten Hausaufgaben, wozu dies in dieser epischer Breite ausbreiten?
Anstatt was wirklich sinnvoll wäre die kontinuierliche Entwicklung zu schildern. Ein Kind, welches von Schulbeginn nicht klarkommt und anstatt Hilfe immer nur höheren Druck erhält. Langsam aber sicher mit Trotz reagiert und schließlich nach zwei gescheiterten Schuljahren vor dem Aus einer „normalen Schullaufbahn“ steht. Die Reaktion der Eltern ist richtig, sie stehen mit dem Rücken an der Wand ohne Hilfe. Was bleibt, ist das Internat. Sie sind überfordert und erhalten keine Hilfe, welchen anderen Ausweg haben sie?
Ich habe dann abgeschaltet und erst nach Tagen die zweite Hälfte gesehen. Von der Handlung wurde es besser, es gab eine.
Aamir als Lehrer, na ja. Nicht sonderlich überzeugend, nur wenn man zu Grunde legt, dass er selber ein Kind mit Legasthenie ist und zugleich Sonderschullehrer ergibt sein Engagement eine Sinn. Man merkt deutlich, dass Aamir hier versucht seinen Film eine erzieherische Note zu geben. Und vielleicht ist es ihm gelungen, mit dem Aufzeigen der typischen Fehler, aber dem Unterhaltungsfilm hilft es wenig und vielleicht war nicht nur ich versucht abzuschalten. Auch in diesem zweiten Teil wird die Handlung auseinandergerissen um Aamir Steckenpferd, Kinderarbeit und auch behinderte Kinder vorzuführen. Eigentlich ein positives Ansinnen, aber ein Film sollte sich doch auf ein Thema konzentrieren und nicht versuchen alle Ungerechtigkeit der Welt in einem Film unterzubringen.
Fazit : Als Regisseur sollte Aamir, wie Pyaari so gerne sagt, noch ein paar Jahre auf die Weide und dann möchte ich ihn in einem Remake von Rain Man sehen.
Der Film ist nur sehenswert wegen der außergewöhnlichen Darstellung des Jungen. Es ist unglaublich, wie er diese Überzeugung hinbekommen hat.
Preity
Ich habe endlich nach langem zögern den Film gesehen und ich war sehr begeistert.
Die Geschichte war zum heulen.
Der kleine Hauptdarsteller hat seine Rolle sehr gut rübergebracht und Aamir spielte seine Rolle als den besorgten und hilfsbereiten Lehrer echt gut.
Über das Verhalten der Eltern war ich sehr erschrocken, jedoch geht es in vielen Familien so zu.
Wie Maya schon gesagt hat :
Sie stehen mit dem Rücken an der Wand ohne Hilfe. Was bleibt, ist das Internat. Sie sind überfordert und erhalten keine Hilfe, welchen anderen Ausweg haben sie?
Man sollte seine Kinder jedoch nicht als Idiot oder Schwachkopf beschimpfen, denn wie Aamir es richtig interpretiert hat, sind alle Kinder verschieden und sie lernen auch unterschiedlich - einer lernt es schneller andere wiederrum lernen es langsamer, jeder auf seine Weise. Ich kann jedem diesen Film empfehlen und ich würde ihn mir immer wieder anschauen.
Und ich gebe zu, durch Fanaa und Taare Zameen Par bin ich ein kleiner Aamir Fan geworden.
Für diesen Film vergebe ich vier von fünf Daumen...