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Review: Ram Gopal Varma Ki Aag

    Unsere Bewertung für diese Seite
    Erscheinungsjahr: 2007
    Genre: Action
    Regie: Ram Gopal Varma
    Drehbuch: Javed Akthar, Salim Khan
    Produktion: Praveen Nischol, Prabhuraj, Ram Gopal Varma
    Musik: Ganesh Hedge, Prasana Shekhar
    Darsteller: Amitabh Bachchan, Mohanlal, Ajay Devgan, Prashant Raj, Sushmita Sen, Nisha Kothari,             Rajpal Yadav, Sushant Singh

    Länge: 149 Minuten





Filmsongs:


  • Mehbooba – Sunidhi Chauhan, Sukhwinder Singh
  • Ruk Ja - Rathod, Sunidhi Chauhan
  • Holi – Upadhyaya, Shweta Pandit, Goshal, Sudesh Boshle
  • Cha Raha – Rathod, Shweta Pandit
  • Hai Aag Yeh – Chauhan
  • Jee Le – Rathod, Farhad Bhiwandiawala
  • Dum – Rathod
  • Mehbooba (Remix) – Amitabh Bachchan, Sunidhi Chauhan, Sukhwinder Singh


    Story:
    Hirendra „Heero“ Chavan (Ajay Devgan) und Raj Ranade (Prashant Raj) kommen nach Mumbai und werden jobtechnisch von dem kleinen Möchtegern-Gangster Rhamba Bhai (Rajpal Yadav) an Shambhu vermittelt. Bald werden sie von Inspektor Narsimha (Mohanlal) verhaftet und dazu überredet, ihm bei der Festnahme ihres kriminellen Bosses zu helfen. Sie entschließen sich dazu und retten dabei dem Inspektor sogar das Leben, werden aber dennoch zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

    Kaum entlassen kommt Narsimha wieder auf sie zu. Er hat seine Arme verloren und bietet ihnen Geld dafür, dass sie für ihn einen gewissen Babban fangen. Babban (Amitabh Bachchan) ist ein grausamer, jede menschliche Grenze überschreitender Verbrecher, der nicht nur das Mumbaier Viertel Narsimhas in seiner Gewalt hat, sondern auch Narsimhas Familie auf dem Gewissen. Heero und Raj sagen zu und ziehen ins Haus des Inspektors.

    Während sie sich gegen Babban auflehnen, verliebt sich der lebhafte Heero in die energische Rikschafahrerin Ghungroo (Nisha Kothari), und Raj entwickelt eine vorsichtige Zuneigung zu Narsimhas verwitweter Schwägerin Durga Devi (Sushmita Sen). Doch Babban wird immer gefährlicher, je bedrohter er sich fühlt…


    Review:
    Gestern hatte ich das, gelinde gesagt, etwas langatmige Vergnügen, den Film „Aag“ mit dem nicht weniger langatmigen Zusatztitel im Kino zu sehen.

    Da es sich ja bekanntlich um die Neuverfilmung des Klassikers Sholay mt Amtabh Bachchan, Dharmendra, Jaya Bachchan, Hema Malini usw. gehandelt hat, kannte ich die verblüffend gleich gebliebene Handlung (im Grunde hat sich einzig der Handlungsort verändert) schon, was sich als Vorteil herausstellte angesichts der doch recht zerfahrenen Erzählweise insbesondere zu Beginn.

    Nachteil war jedoch, dass ich ständig darauf gewartet habe, dass Ajay Devgan und Prashant Raj als Heero und Raj endlich "anfangen". Da liegt jedoch die schwerwiegendste Veränderung des neuen Films im Vergleich mit seinem Alter Ego aus den 70ern. Mir kommt es so vor, als wären weniger Ajay Devgan und das neue Gesicht Prashant Raj die Hauptdarsteller von Aag gewesen, sondern vielmehr nur unterstützend tätig für die eigentlichen Stars des Films Mohanlal und Amitabh Bachchan. Damit will ich nicht sagen, dass die beiden Jüngeren ihre Rollen nicht gut gespielt haben. Es ist einfach so, dass sie durch die extrem ausführlichen Monologe der beiden Altstars deutlich weniger Raum bekommen haben - Drehbuch bedingt. Und ganz ehrlich, dadurch gewinnt RGVs Werk kein Stück. Denn ein sehr wichtiger Bestandteil des alten Films ist für mich immer die Freundschaft der beiden Männer gewesen, die in Aag zwar vorhanden, aber praktischerweise auch immer durch die berühmte Melodie von "Yeh Dosti" aus Sholay selbst untermalt wird, damit man sie auch wirklich mitbekommt.

    So gern ich Amitabh Bachchan sehe, sein "Babban" ist neben all der widerwärtigen Bösartigkeit vor allem eines - zu redselig. Und das in Zeitlupe. Mr. Bachchan spielt sehr überzeugend, zweifelsohne, man hasst ihn und wünscht ihm die Pest an den Hals. Seine Gesten, seine Blicke, sein ganzes Gebaren sind so abstoßend, dass man fast nicht hinsehen kann. Aber wenn er zum vierten oder fünften Mal vor sich hinquast, fängt er langsam aber sicher an, die Geduld des Zuschauers zu überstrapazieren. Und Langweile zu verbreiten ist sicher der Todesstoß für jeden Filmbösewicht, oder? Ich will Angst haben.

    Sushmita Sen als junge Witwe Durga Devi ist hinreißend in ihrer Zurückhaltung und trotz (wegen?!) so gut wie fehlendem Makeup. Sie hat wieder mal die Chance zu zeigen, dass sie neben ihrer beachtlichen Schönheit auch eine gehörige Portion Schauspieltalent zu bieten hat, da ich glaube, dass diese schweigsamen Rollen alles andere als leicht zu spielen sind.

    Prashant Raj hat mich nicht vollkommen überzeugt. Sicher, er hat diese tiefe Stimme, eine gut durchtrainierte, schlaksige Figur und bringt mit seinem braunäugigen, tiefsinnigen Unschuldsblick bestimmt viele weibliche Herzen zum Klopfen, aber noch fehlt es ihm in meinen Augen etwas an Ausdruckskraft. Zwar war seine Rolle als Raj eher als ruhiger Part neben Ajays Heero angelegt, trotzdem bleibt bei ihm noch eine Menge Entwicklungspotenzial, das er (noch) nicht genutzt hat. Wenn er verlegen vor sich hinstottert, klingt das in meinen Ohren eher nach „wie war der Text noch mal?“ und weniger nach Schüchternheit.

    Ajay Devgan ist einer der Glanzpunkte von Aag, und das in einer Rolle, in der er eher gegen seinen Strich besetzt ist. Lebhaft, ein bisschen dreist, aber liebenswert übernimmt er Dharmendras Rolle des bis über beide Ohren verliebten Draufgängers und hat damit - lasst mich nachdenken - ja, wirklich sämtliche Lacher auf seiner Seite! Ajay kann wirklich komisch sein, wenn er will. Ebenso überraschend ist die sinnliche Art und Weise, wie er teilweise in Szene gesetzt wird (mit seinen ganzen relativ neuen Muckis, wenn auch für meinen Geschmack viel zu dünn), was dann in einem Duett mit Filmpartnerin Nisha Kothari gipfelt, das für Ajay-Fans sicher zum Niederknien sein wird, aber in den Film so gut passt wie Tick, Trick und Track. Nicht falsch verstehen - mir ist schon klar, dass Stilbrüche in BW-Filmen Gang und Gäbe sind. Doch während der ganze Film eher von real bis düsteren Bildern dominiert wird, sehen Ajay und Nisha in ihrem Liebesclip eher wie ein Yuppie-Paar in ihrem Penthouse aus. Schick, sexy, meinetwegen, aber eben unpassend, weil es den Zuschauer entschieden aus dem Konzept reißt.

    Ich war Nisha Kothari selbst gegenüber sehr, sehr skeptisch und bin mir auch immer noch nicht sicher, ob die Fußstapfen von Hema Malini nicht doch etwas zu groß für die momentane Favoritin von Ram Gopal Varma sind. Ich denke im Nachhinein, sie wächst im Laufe des Films in ihre Rolle hinein. Anfangs tut sie sich schon schwer, die plappernde, energische Ghungroo darzustellen, wirkt etwas steif, weil zu sehr bemüht. Doch nach und nach wird sie natürlicher, so dass sie zum Schluss wirklich ein paar Szenen für sich verbuchen kann, in denen anklingt, dass aus dieser Schauspielerin etwas werden könnte, wenn sie mal nicht mehr als Lolita-Verschnitt eingesetzt wird. Wer weiß.

    Der letzte Große im Bunde ist Mohanlal, den ich nicht zum ersten Mal in der Rolle des aufrechten Polizisten gesehen habe, und der das sicher im Schlaf kann. Er ist sympathisch. Er wirkt warmherzig, hat Rückgrat und vermittelt den Schmerz aufgrund der Ereignisse ohne großes Tohuwabohu. Keine Mängel auf der Seite. Wirklich nicht. Und in Anbetracht der Tatsache, dass er einem extrem deutlich in den Mittelpunkt gerückten Amitabh als Gegner gegenüber steht, ist das keine zu unterschätzende Leistung.

    Musikalisch ist der Film für mich nicht mal Durchschnitt. Aber das ist wie immer Geschmackssache. Blickfang ist ganz sicherlich der sexy inszenierte Song mit dem durchgängig halbnackten Ajay, das aber mehr für die Bilder als für das Lied selbst in Erinnerung bleiben wird. Dann gibt es das einzige Lied, das aus dem alten Film in moderner Form übernommen wurde, Mehbooba", und auch, meiner Ansicht nach, als einziges ins Ohr geht (und echt coole Gasttänzer bietet!), in Sholay performed von Helen. In Aag ist es nett anzusehen, aber der Sinn desselben hat sich mir nicht wirklich erschlossen, obwohl er eigentlich in die Handlung eingebaut sein soll. Glaube ich zumindest... Das Holi-Lied ist ebenfalls schön anzusehen, und an weitere kann ich mich fast nicht mehr erinnern. Kein wirklicher Hit dabei.

    Für mich gibt es im Grunde zwei Faktoren, die Aag zu keinem guten Film machen. Erstens stellt Aag eindeutig das Experiment dar, den Allround-Klassiker Sholay als einen 100% RGV-Film zu drehen. Diese Idee an sich muss, denke ich, scheitern, weil der Film nicht nur eine bestimmte Zielgruppe erreichen sollte. Immerhin reden wir hier von DEM Film des Hindi-Kinos. Da kann man nicht spalten. In diesem Zusammenhang ist es dann allerdings ein interessantes Gedankenspiel, sich vorzustellen, wie Sholay wohl im "typischen" Candy-Floss-Gewand eines Karan Johar, dem intensiven Erzählton von Mani Ratnam oder als Bombastschinken a lá Sanjay Leela Bhansali mit ihren jeweils eigenen charakteristischen Merkmalen ausfallen würde.

    Ich mag RGVs Filme, aber hier war mir sein Stempel einfach etwas zu dick und aufgetragen. Ein bisschen mehr Masala hätte dem Film sehr gut getan. Es war zwar auf jeden Fall mutig, sich solch eines Prestige-Projekts anzunehmen, bei dem die Chancen, auf die Nase zu fallen, so riesig sind. Aber letztendlich wurden die Möglichkeiten, die hätten wahrgenommen werden können, meiner Meinung nach vollkommen vertan.

    Und zweitens konnten die wirklich sehr guten Darsteller nur scheitern, da einfach zu viel gegen sie gearbeitet hat: ein sehr langatmiges Drehbuch, Kamerairrfahrten, die eher wirr im Kopf machten als Spannung aufzubauen oder interessant zu sein, und sich ganz einfach nicht einfügende Musikeinlagen.

    Schade eigentlich!

    Reviewed: 03. September by Jess

    Screenshots:

    folgen bald!
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