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Review: Sarkar

    Unsere Bewertung für diese Seite
    Erscheinungsjahr: 2005
    Genre: Drama
    Regie: Ram Gopal Varma
    Drehbuch: Manish Gupta
    Produktion: Ram Gpal Varma, Parag Sanghavi
    Darsteller: Amitabh Bachchan, Abhishek Bachchan, Katrina Kaif, Tanisha, Anupam Kher, u. a.

    Länge: 124 Minuten








Story:


Subhash Nagre (Amitabh Bachchan), von den Menschen bewundernd Sarkar genannt, ist so etwas wie eine dritte Macht in Mumbai. Neben der Regierung bzw. Polizei und den Kriminellen befindet sich der Patriarch in einer Position, in der die Menschen mit ihren Problemen zu ihm kommen und auf ihn Vertrauen, dass er diese zu seinen eigenen macht und löst – auch mit unlauteren Mitteln, denn seine Schläger stehen allzeit bereit. Doch Sarkar lebt nach dem Motto: Ich tue das, was in meinen Augen richtig ist. Auch wenn es gegen Gott, gegen die Gesellschaft, gegen das Gesetz oder das gesamte System ist.

Subash ist das Oberhaupt einer Familie, zu der seine Frau (Supriya Pathak), seine beiden Söhne Shankar (Abhishek Bachchan) und Vishnu (Kay Kay Menon), dessen Frau Amrita (Rukhsar) und Sohn Chicku, und eine Art Pflegetochter namens Avanti (Tanishaa) gehören. Shankar, ein gelassener, junger Mann, der wenig mit den Vorgängen zu Hause zu tun hat, kommt zu Beginn des Films aus den USA zurück und hat Pooja (Katrina Kaif) im Schlepptau, die Tochter eines ehrbaren Geschäftsmannes, der nicht sehr erfreut ist, als er hört, mit wem sich seine Tochter da eingelassen hat. Vishnu, der Ältere, ist im Gegensatz zu seinem Bruder ein Hitzkopf, für den die Macht des Vaters eine Selbstverständlichkeit ist und sie aber auch finanziell ausbauen will. Er arbeitet als Regisseur, wobei sein vorrangiges Ziel jedoch die Starlets zu sein scheinen.

Und bald überschlagen sich die Ereignisse, als ein dubioser Geschäftsmann aus Dubai namens Rasheed bei Sarkar wegen seiner schmutzigen Geschäfte abblitzt, sich aber den Gewinn nicht durch die Lappen gehen lassen will und mit einer Gruppe unterschiedlichster Komplizen und Gegner Sarkars einen Plan verfolgt: Subhash Nagre muss sterben... Ihre Chance, den fast unantastbaren Sarkar zu besiegen, kommt, als Vishnu den Fehler begeht im Zorn einen Mann zu töten.




Review:


Also Sarkar ist echt mal ein cooler Film! Ein Männerfilm irgendwie, aber trotzdem cool. Der Regisseur sieht sein Projekt wohl als Hommage an den Paten von Martin Scorsese (wird sogar im Vorspann erwähnt), da ich aber wirklich nur ganz wenig Ahnung vom Paten habe, nehme ich von jeglichen Vergleichen hier Abstand und betrachte Sarkar nur als alleiniges Werk.

Als erstes fiel mir auf, dass dieser Film unheimlich langsam und still erzählt wird, gerade in der ersten Hälfte findet so gut wie keine Handlung statt. Die Personen sitzen und reden, und die Verhältnisse werden geklärt: wer wie zu wem steht, wer was wie sieht, wer in welcher Position ist und warum. Das klingt vielleicht ein bißchen langweilig, ist es aber nicht. Und das liegt einerseits an der Art und Weise, wie das Ganze gefilmt ist, nämlich mit unheimlich schönen Bildern, die das Licht als Stimmungserzeuger nutzen, großen Nahaufnahmen, sehr guter Technik usw., und andererseits an den hervorragenden Darstellern, allen voran Amitabh Bachchan, der, wie ich finde, eine unglaubliche Würde und Autorität ausstrahlt, einfach wenn er so da sitzt und spricht. Aber auch die anderen Schauspieler sind alle vollkommen überzeugend. K.K. Menon mochte ich von Anfang an nicht, weil er so gierig und unberechenbar rüberkommt – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er seine Rolle bestens gespielt hat, während Abhishek ein ganz großer Sympathieträger ist, den ich besonders in den Szenen mit seinem Vater sehr gut fand. Scheinbar stimmt die Leinwandchemie zwischen den beiden.

Der Film gewinnt dann in der zweiten Hälfte ordentlich an Tempo. Es gibt mehr Action, es wird mehr gebrüllt, trotzdem verliert der Film seine, wie ich glaube, gewollte Ruhe nicht. Im zweiten Teil dominiert dann auch Abhishek Bachchans Präsenz das Geschehen und das auf keinen Fall zum Nachteil des Films. Man kann sehr eindrücklich mitverfolgen, wie er mit sich kämpft und erkennt, dass er sich aus den Familienangelegenheiten nicht heraushalten kann und ab einem bestimmten Zeitpunkt auch nicht mehr will. Er übernimmt Verantwortung für sich und seine Familie. Und das ist einfach grandios zu beobachten, weil es ihm nicht leicht fällt, er es dafür dann aber um so überzeugter tut und dafür auch diverse Opfer bringen muss. An dieser Stelle muss ich dem Drehbuchschreiber mal ein ganz dickes Lob aussprechen. So kurz manche Sätze vielleicht sind, die Abhi gerade in den letzten Szenen in den Mund gelegt werden, so präzise und treffend sind sie auch und so wunderbar werden sie auch ausgesprochen. Ich saß jedenfalls extrem gebannt vor dem Bildschirm. Sarkar gehört auf jeden Fall zu den Filmen, deren Spannungsbogen sich ganz langsam aufbaut und am Ende nicht mehr absteigt. Die letzte Einstellung ist echt der Hammer!

So genug geschwärmt: die Mängel! Ich muss auf jeden Fall beanstanden, dass die Frauen hier zu schlecht wegkommen. Sie sind nicht schlecht charakterisiert, nein, sie fallen ganz einfach unter den Tisch. Was extrem schade ist, weil es einiges Potential gegeben hätte von der Story und von den Schauspielerinnen her, die mir alle gut gefallen haben, bis auf Katrina Kaif, die mir zu püppchenhaft erschien (Geschmackssache wie immer!). Aber alle Entscheidungen in Sarkar werden von Männer getroffen, sie treiben die Handlung voran, sie sprechen die wichtigen Dialoge (mit minimal wenigen Ausnahmen). Das ist wirklich schade, denn schließlich besteht ein großer Bauteil dieses Films aus Familie – Tradition, Ehre, Zusammenhalt etc. – und da spielen Frauen nun mal grundsätzlich eine große Rolle. In Sarkar schaffen sie vorrangig das Essen ran. Interessantes Detail noch dazu: ich hab gelesen, dass Tanisha (Avantika) Kajols Schwester ist! Naja, eine Familienähnlichkeit besteht da schon...

Abschließend bleibt noch zu sagen: wer vor allem auf die großen Herzschmerzschinken Bollywoods steht, wird von Sarkar enttäuscht sein. Es gibt keine Musik- und Tanzszenen. Dieser Film ist eher ein Genuss für Zuschauer, die vor allem gute schauspielerische Darstellungen sehen möchten – und die bekommen sie, wobei es sicherlich aber auch von Vorteil ist, dass dieser Film nur 120 Minuten lang ist.

Reviewed: 15. September 2005 by Jess

Screenshots:


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